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Multinormleitungen haben meistens eine nordamerikanische und kanadische Zulassung, VDE-Approbation und Harmonisierung. Bild: Lütze
Harmonisierung

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Vorsicht bei Multinormleitungen

Text: Oliver Nickel, Lütze
Die Wiederverwendbarkeit einmal geleisteter Arbeit spielt im Effizienzstreben eine große Rolle. Manchmal jedoch verursacht dieser Denkansatz versteckte Probleme: wenn bewährte und bekannte Steuerleitungen plötzlich mehr Arbeit verursachen als sie einsparen.

Maschinenhersteller, die nach Nordamerika exportieren, kennen es: Die lokalen Zulassungen erfordern bestimmte Materialien und, wenn vorhanden, eine komplette Überarbeitung der bereits fertig entwickelten Teile. Insbesondere bei Kabeln und Leitungen wird es oft undurchsichtig. Beim Studium der in Nordamerika gültigen Standards wie UL 508A (Underwriters Laboratories) und NFPA79 (National Fire Protection Association) stellen sich im Nachhinein gegebenenfalls mehr Fragen als Antworten gegeben werden.

Griff zu Altbekanntem

Wie gut, dass Bewährtes bekannt ist: Eine Multinormleitung – meistens mit nordamerikanischer und kanadischer Zulassung, VDE-Approbation und Harmonisierung – wird für Nordamerika bereits häufig eingesetzt und ist dabei auch noch europaweit anerkannt. Bei der Suche von PVC-Steuerleitungen (Polyvinylchlorid) mit UL-Zulassung fällt die Wahl daher häufig auf die harmonisierte H05VV5-F beziehungsweise die geschirmte Variante H05VVC4V5-K – und das aus einfachen Gründen: Die Leitungstype ist vielen Konstruktionsbüros bekannt und neben der generell hohen Verfügbarkeit am Markt, ist die Harmonisierung für Maschinenfreigaben ein befürwortendes, vertrauensbildendes Qualitätsargument. Jedoch wird dem HAR-Logo (Harmonisierung ) oftmals nicht einmal viel Beachtung geschenkt. Dass sich bei Einsatz einer solchen Leitung der Leitungsdurchmesser im Vergleich zur nicht-harmonisierten Type vergrößert, wird dabei bewusst oder unbewusst hingenommen und in vielen Fällen nicht hinterfragt. Obwohl es sein kann, dass die vorhandenen bereits fertig entwickelten Maschinen für diese größeren Außendurchmesser gegebenenfalls nicht ausgelegt sind.

Dickere Leitung durch Harmonisierung

Bei der Harmonisierung von Leitungen hat die Branche neben der Vereinheitlichung der Bezeichnungen insbesondere die Konstruktionsparameter definiert. Heraus kamen zum Beispiel Isolationswandstärken, die den individuellen Vorgaben der Länder gerecht wurden – demnach „der größte gemeinsame konstruktive Nenner“. Das dickt sozusagen auf – insbesondere bei geschirmten Varianten – diese verfügen per Harmonisierung über einen Innenmantel.

Für die Konstruktionsabteilung der Unternehmen stellt sich daher nun die Herausforderung, die vorhandenen Durchführungen, Platzvorgaben und Biegeradien der Maschine zu analysieren. Dies aber auch nur, wenn der Zuwachs an Außendurchmesser überhaupt beachtet wird. Durch ein Redesign der betroffenen Maschinenbereiche wird das Problem also umgangen – mancherorts auch erst in der Fertigungshalle. Maschinenbauer wählen die größere Verschraubung, installieren einen größeren Schlauch, definieren einen größeren Kabelkanal oder führen gar Veränderungen an der mechanischen Konstruktion des Maschinenteils durch. Sie argumentieren den größeren Außendurchmesser und die benötigte Veränderung der Maschine mit der Erklärung: Die eingesetzte Leitung ist für die USA tauglich, ist schnell zu beziehen, verfügt über weitere notwendige Zulassungen und daher ist der Zuwachs an Material akzeptabel.

Kaum mehr Leitungen mit HAR-Logo

Harmonisierte mehradrige Leitungen außerhalb des Schaltschranks an Maschinen sind am Markt in den Hintergrund geraten. Kaum eine technisch anspruchsvolle und durchentwickelte Leitung auf Maschinenebene verfügt heutzutage noch über das HAR-Logo. Der ursprüngliche Harmonisierungsgedanke, Leitungen zu vereinheitlichen, die in ihrer Dimension europaweit identisch sind und somit überall verfügbar, findet durch den hohen Technologie- und Optimierungsgrad auf Leitungsebene immer seltener Anwendung. Durch die Harmonisierung ergibt sich also eine heute nicht unbedingt erforderliche Vergrößerung des Leitungsdurchmessers im Vergleich zur konventionellen PVC-Leitung von bis zu 45 Prozent – bei geschirmten Varianten. Die Unternehmen müssen sich die Frage stellen, ob die Harmonisierung in diesem Applikationsumfeld weiterhin erforderlich ist.

Kein Aufwand beim Redesign

Dabei ist die Lösung recht einfach: Durch die Konzentration auf das Notwendige wie UL/CSA-Komponentenzulassung und VDE-Approbation können Hersteller heute eine anerkannte PVC-Multinormleitung ohne HAR beziehen, die einen vergleichbaren Leitungsdurchmesser wie eine konventionelle flexible PVC-Leitung aufweist.

Damit entfällt das aufwändige Redesign der Maschine – lediglich die Leitungstype ändert sich. Die Mehrkosten, wie zum Beispiel größere Durchführungen und Verschraubungen, werden eingespart und die Arbeit hin zu Maschinen für Nordamerika wird dadurch ein Stück erleichtert.

Verzicht muss der Leitungshersteller nicht üben, ganz im Gegenteil: Durch eine Zulassung 90 °C 600 V für Leistungsstromkreise vergrößert sich eher der Einsatzbereich neben der NFPA79-Tauglichkeit bis hin zu UL-508A-Konformität. Die weiterhin identischen Dimensionen im Vergleich zur konventionellen Steuerleitungen erlauben zudem den Gedanken, Leitungen dieses Typs gleich auch für Europa zu verwenden um den Standardisierungsgrad und Einsatztauglichkeit der eigenen Maschine zu erhöhen und die Leitungsvielfalt zu reduzieren.

Eine hier passende Leitungsserie hat der Spezialist für elektrische Leitungen Friedrich Lütze. Die Lütze Silflex N Multinorm 600 V 90 °C gibt es in gängigen Konstruktionen und Querschnitten und auch als kompakte, geschirmte Variante.

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