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Bild: Jeff Busby
Bühnentechnik

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Automatisierter Silberrücken

Text: Wolfram Hofelich, Friedrich Lütze
Das Modell aus Gummi und Kaninchenfell, das im Originalfilm vom Empire State Building herabhing und Doppeldecker zerschlug, war gerade mal 61 cm groß. Die moderne Inkarnation von King Kong misst ganze sechs Meter, ist tonnenschwer und steht auf einer Bühne in Australien. Um dieses Monstrum lebendig wirken zu lassen, muss viel Technik in den Körper.

Ausgeprägte Muskeln, furchterregende Erscheinung und ein gewaltiges Brüllen. Der gigantische Gorilla, den Ingenieure mit moderner Technik ausgestatten haben, ist der Star auf einer australischen Theaterbühne. Entworfen wurde dieser King Kong von Global Creature Technology mit Unterstützung der Bühnenautomatisierungsexperten von Stage Technologies mit Sitz im Vereinigten Königreich. Damit der Gorilla sich bewegen und so richtig brüllen kann, ist ein ausgefuchstes Automatisierungssystem nötig. Hier arbeitete Stage Technologies eng mit Lütze zusammen.

Über 12 Tonnen Stahl, Motoren und Winden sowie über 3000 Meter Leitungen umfasst das Paket im Inneren des Stahl- und Aluminium-XY-Rahmens von King Kong. Dabei galt es die 16 Mikroprozessoren und 15 Servomotoren mit Strom zu versorgen und gleichzeitig die Augen, Augenbrauen und Augenlider, Nase, Lippen sowie Kiefer, Hals und Schultern beweglich zu machen. Geräusche gibt das Monster ebenfalls von sich – dadurch wirkt er noch realistischer.

Im Inneren des XY-Rahmens wird die Antriebsvorrichtung von sehr eng geleiteten Kabeln und Zugketten bedient, was bedeutet, dass die Bauform der Kabelkonfektionen entscheidend ist. Für die Servo- und Steuerungsfunktionen wurden Lütze Superflex PUR-Leitungen ausgewählt. Auch vollständige Kabelkonfektionen waren Teil der Lieferanforderungen. Mehrere, zu jeder Schulter gehende Leinen ermöglichen den elf Bedienern des Primaten eine unabhängige Auf- und Abbewegung der Gliedmaßen und gibt ihnen die Fähigkeit, King Kong innerhalb des Apparateplatzes manuell vorwärts und rückwärts zu manövrieren. Optionale Leinen können dabei auch mit King Kongs Rücken oder Vorderseite verbunden werden, was zusätzliche Bewegungen erlaubt.

Zwar besteht das zentrale Fahrgestell des Gorillas aus einer relativ einfachen Konstruktion, jedoch handelt es sich beim britisch-australischen King Kong um eine der größten Herausforderungen der Animationstechnik. Schließlich vermischen sich die Anomalien in der Anatomie des Gorillas mit den Grundsätzen der Bautechnik, die gerade Linien und gute Ebenen bevorzugt. Darüber hinaus verbinden sich hier mechanische Funktionen des Inneren mit dem organisch aussehenden Lycra und Latex des Äußeren. Die sich auf dem Fahrgestell befindlichen druckluftbetriebenen Muskeln in Form einer Schicht aufblasbarer Kammern, verleihen dem Gorilla eine leichtgewichtige Körperform. Darüber befindet sich eine weitere Reihe detaillierter, ausgeprägter Muskelbeutel, die sich strecken und zusammenziehen können und so eine realistische Anatomie vortäuschen. So kann King Kong am Anfang jeder Musical-Aufführung seine Kraft durch wutentbranntes Auf-den-Boden-Stampfen unter Beweis stellen, ohne jedes mal gleich ein mittleres Erdbeben auszulösen.

Mit der Figur des King Kong gelang ein echter Durchbruch in der Automatisierungstechnik. Einerseits durch die Puppensteuerung mit großer szenischer Wirkung, andererseits durch die zentrale Unterbringung aller Steuerungs- und Sicherheitssysteme innerhalb des Automatisierungssystems. Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit von Lütze-Ingenieuren, Software-Entwicklern, Künstlern, Musikern und Schauspielern konnte so die Grundlage für ein einzigartiges Schauspiel geschaffen werden.

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