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Bobbie Linkenbach, Geschäftsführer Vipa Bild: Vipa
100-Tage-Interview

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„Wir verlangen keine Schwarz-Weiß-Entscheidungen“

Text: Harry Jacob, A&D
Zum 1. April übernahm Bobbie Linkenbach die operative Führung bei Vipa, einem Hersteller von Steuerungssystemen. A&D befragte ihn nach den ersten 100 Tagen, vor welchen Herausforderungen er steht und wie das Unternehmen künftig ausgerichtet ist.
A&D:

Seit der Stabübergabe sind drei Monate vergangen. Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie angepackt haben?

Linkenbach:

Wir arbeiten derzeit an zwei Change-Prozessen. Durch die Produkte von Yaskawa, die wir zur Verfügung haben, ändert sich unsere Marktpositionierung vom reinen Komponentenhersteller hin zum Systemlieferanten. Früher waren wir hauptsächlich im Schaltschrank, jetzt gehen wir aus dem Schaltschrank heraus an die Maschine und versuchen sie für und mit dem Kunden gemeinsam zu verbessern. Das heißt, wir sprechen die Kunden nicht mehr rein auf Komponentenebene an, sondern auf der Ebene der Applikationen. Für den Vertrieb bedeutet das, nicht mehr nur die Siemens-Kompatibilität als Argument für den Einsatz von Vipa-Komponenten zu nutzen, sondern den Systemgedanken in den Vordergrund zu stellen, inklusive Support, bis hin zur Unterstützung bei der Erstanwendung.

Was ist die zweite Veränderung?

Siemens hat mit einem neuen Software-Portal und den dazugehörigen neuen Hardware-Systemen einen Technik-Wandel bei Steuerungen ausgelöst, der auch unsere Strategie verändert hat. Neben dem reinen Siemens-Anwender wollen wir zusätzliche Kundengruppen und Marktsegmente erreichen. Dafür entwickeln wir neue Produkte, die software-kompatibel bleiben und mit unserer Software Speed7-Studio programmierbar sind, so dass wir Angebote mit Hybrid- und reinen Vipa-Lösungen machen können.

Wie sieht das Portfolio künftig aus?

Die bisherigen Systeme bleiben erhalten und entwickeln sich noch viele Jahre weiter. Mit SLIO haben wir bereits angefangen, ein eigenes SPS-System zu entwickeln, das nicht mehr hardware-kompatibel zu Siemens ist. Die Software-Kompatibilität bleibt gewahrt, aber zusätzlich kann der Kunde Speed7-Studio einsetzen, mit dem wir deutlich mehr Funktionen abbilden können. So integrieren wir gerade software- und hardwareseitig das Thema Motion Control und unterstützen als Master neben Profibus und Profinet zusätzlich EtherCat.

Was bedeutet das für den OEM?

Kunden, welche die Software-Kompatibilität aufrechterhalten wollen, können dies weiterhin auf unserer Hardware tun. Power-Usern oder System-Usern, die komplett auf Vipa und Yaskawa umsteigen wollen, bieten wir mit Speed7-Studio eine vollständige Plattform. Im Hardware-Katalog sind sämtliche Umrichter und Servos von Yaskawa integriert. Wir arbeiten darauf hin, dem Kunden eine Komplettlösung mit exakt aufeinander abgestimmten Komponenten anzubieten, die es ihm ermöglicht, Maschinen und Anlagen bis hin zur Robotik aus einer Hand zu programmieren, zu konfigurieren und zu parametrieren. Des Weiteren wollen wir bis Ende 2018 mit vorgefertigten Bausteinen, Bibliotheken und Templates den Programmieraufwand und Engineeringzeiten stark reduzieren.

Das heißt, die Kunden müssen sich nicht knallhart zwischen Siemens- und Vipa-Technik entscheiden?

Genau! Das ist der große Unterschied zu anderen Marktbegleitern, bei denen der Kunde wirklich eine Schwarz-Weiß-Entscheidung treffen muss. Bei uns können Anwender weiterhin ihre bisherige Software nutzen, wahlweise aber auch das Speed7-Studio. Nach unserer Erfahrung gibt es viele Kunden, die beides einsetzen wollen, um nicht von einem Lieferanten abhängig zu sein. Hier positionieren wir uns als Zweitlieferant, der in seinen Systemen relativ ähnlich ist, auch im Look&Feel der Software. Siemens-Programme, die mit Step7 von Siemens geschrieben wurden, können importiert und im Speed7-Studio weiter verwendet werden. Nur der Re-Export ist nicht möglich.

Wie stark hängt die Entscheidung zwischen Vipa und Siemens an den unterstützten Bussystemen?

Das ist eine spannende Frage. Aus unserer Sicht werden sich in Europa hauptsächlich Profinet und EtherCat als Ethernet basierende Bussysteme durchsetzen. Die Siemens-Gemeinde wird bei Profinet bleiben, aber wir haben relativ viele Kunden, die mit EtherCat liebäugeln, jedoch in der Step7-Programmierumgebung bleiben wollen. Das unterstützen wir mit unserer Hardware und Speed7-Studio. Es ist immer unsere Philosophie gewesen: Wir wollen das Spektrum der Automatisierung etwas weiter öffnen, den Kunden nicht auf irgendwelche Feldbusse festlegen, sondern die für ihn beste Lösung abbilden.

Wie arbeiten Sie mit Yaskawa zusammen?

Wir haben gemeinsam, auf Basis des existierenden Systems SLIO, die erste Vipa-SPS mit integriertem Motioncontroller, IMC7, entwickelt. Der Vertrieb soll Ende des Jahres starten. Daneben gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit unserer Tochterfirma Profichip für die Entwicklung zukünftiger ASICs (Application-Specific Integrated Circuits) für die Antriebstechnik, SPS-Controllern bis hin zu Kommunikationsprozessoren. So werden wir innerhalb des Konzerns sukzessive auch immer mehr zum Technik-Standort. Dadurch werden zukünftig viele Entwicklungen unter stärkerer Berücksichtigung europäischer und amerikanischer Belange realisiert.

Und Sie vertreiben jetzt diese gemeinsame Produktpalette?

Ja, zum einen haben wir Zugriff auf das gesamte Portfolio, inklusive der Robotik, und sind damit weltweit verfügbar. Zum anderen können wir uns zusätzlich auf das globale Servicenetzwerk von Yaskawa stützen, was im Vertrieb ein gewichtiges Argument ist. Als Bestandteil eines Konzerns mit über 14 000 Mitarbeitern öffnen sich uns zudem Türen, die bislang stets verschlossen waren.

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