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Bild: Harry Jacob, A&D
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„Wir liefern den Maßanzug von der Stange“

Text: Harry Jacob für A&D
Die Evolution der Automatisierungstechnik stellt die Hersteller von Industrie-PCs vor große Herausforderungen. Rücksicht auf vorhandene Infrastruktur, Sorge um die Sicherheit und neue Funktionen im Umfeld von Industrie 4.0 und IoT sind gefragt, dabei sollen die Entwicklungszyklen kurz und die Kosten niedrig bleiben. A&D fragt Norbert Hauser, Vice President & Head of Industrial Automation von Kontron, wie sich dies unter einen Hut bringen lässt.
A&D:

Aus der Sicht eines Herstellers für Industrie-PCS: Wie kommt Industrie 4.0 in die deutsche Fertigung?

Hauser:

Nur ein geringer Teil der Kunden kann tatsächlich auf der grünen Wiese eine neue Fertigung mit modern­ster Technik hochziehen. Der größere Teil des Marktes ist das Nachrüsten von Maschinen und Anlagen, das macht in Deutschland mindestens 70 Prozent aus. Die Herausforderung für uns liegt darin, die Produkte so zu gestalten, dass die Verfügbarkeit der Anlagen möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Welchen Beitrag können Sie dazu leisten?

Der erste Punkt, der dazu beiträgt, ist Wartungsfreiheit, damit das Gerät möglichst ohne Unterbrechung laufen kann. Als zweites gilt es, sich in die vorhandene Infrastruktur einzupassen. Dazu bedarf es vor allem einer hohen Flexibilität bei der Kommunikation. Unsere Lösung basiert auf einem modularen Aufbau, auf Building Blocks, aus denen der Kunde wählt. Der Rechner kann nach Bedarf spezifiziert werden, und wie er dann an das Produktionsnetz angebunden wird, wie er I/O-Signale von Sensoren, Aktoren und SPSen empfängt, legt der Kunde unabhängig von Rechenleistung und ähnlichem fest. Dafür haben wir unterschiedliche Kommunikationsmodule, und wenn der Abnehmer ein proprietäres Protokoll verwendet, können wir ihm auch ein passendes Modul entwickeln. Ein dritter Punkt ist noch die Middleware, da werden wir Neues auf der Embedded World präsentieren, unter anderem zum Thema Security.

Was deckt diese ab?

Wir bringen immer mehr Funktionen auf unsere Industrial Computer Platforms, die Remote Diagnostics und Remote System Management unterstützen. Sicherheitsstatus, Prozessortemperatur, Auslastung von Prozessor und Netzwerk und vieles mehr. Die Middleware sorgt dafür, dass die Funktionsaufrufe, um solche Werte zu ermitteln, immer gleich sind, egal welche Hardware verwendet wird, welcher Prozessor darin verbaut ist und welches Betriebssystem darauf läuft. Angefangen haben wir mit dem Kontron Embedded API, und das wird weiter ausgebaut, so dass es beispielsweise Predictive Maintenance unterstützt.

Die Middleware erspart dem Kunden also Entwicklungsaufwand?

Ja, aber worum es eigentlich geht ist die Entwicklungszeit. Time-to-Market ist eine der kritischsten Faktoren für unsere Kunden, denn daran bemisst sich ihre Wettbewerbsfähigkeit. Unser größtes Anliegen ist daher, sie dabei zu unterstützen, um ihre Maschinen und Anlagen möglichst schnell auf den Markt zu bringen.

Das darf aber nicht auf Kosten der Sicherheit gehen!

Wenn man das Security-Thema nicht löst, dann kann man Industrie 4.0 und das IoT nicht nutzen. Das ist das brennendste Problem derzeit. Wir setzen bereits auf allen Modulen Trusted Platform Management ein, in Form von TPM 1.2. Ab dem zweiten Quartal können wir auch TPM 2.0 anbieten. Und auf der Embedded World in Nürnberg werden wir weitere Sicherheitsfunktionen vorstellen, die das Internet der Dinge sicherer machen. Es handelt sich dabei um eine Lösung, die Hard- und Software miteinander kombiniert und in allen Plattformen und Formfaktoren von Kontron Einzug hält.

Sie haben ja im vergangenen Jahr Ihr Sortiment massiv umgestellt und in Richtung Industrie 4.0 und Internet of Things ausgerichtet. Werden Sie in dieser Richtung weitergehen und zum Beispiel fertige Lösungen anbieten?

Ganz klar Nein! Wir nennen uns Enabler, wir wollen unseren Kunden dabei helfen, Lösungen für Industrie 4.0 und IoT zu entwickeln. Wir wollen aber weder mit ihnen in Konkurrenz treten noch die Produkte von Dritten mitverkaufen. Beispielsweise verkaufen wir keine Lizenzen für Codesys von 3S für unsere Kunden. Jedoch werden selektierte Systeme von uns validiert, so dass der Kunde keine bösen Überraschungen erlebt und seinerseits keine teuren und zeitaufwendigen Tests mehr machen muss.

Wo liegen dann die Erwartungen der Kunden an Kontron?

Da sind wir wieder beim Thema Time-to-Market. Neben den Building Blocks, die eine modulare Zusammenstellung auf Basis von Standard-Komponenten ermöglichen, verlangen unsere Kunden auch Möglichkeiten, sich mit individuellen Ausprägungen vom Wettbewerb unterscheiden zu können. Wir bieten einen Service an, den wir MOST nennen, Modified Standard. Das Gesamtprodukt ist individuell, aber wir greifen weitgehend auf Standardmodule zurück und modifizieren nur die Teile, die der Kunde wünscht. Das können besonders lackierte Gehäuse sein, spezielle I/O-Gruppen oder Anpassungen an der Software. Insbesondere das Private Labelling ist eine gerne genutzte Variante – der Rechner kommt zwar von Kontron, sieht aber aus, als sei er eine Eigenentwicklung des Kunden. Durch MOST können wir sowohl die Entwicklungszeit als auch die Entwicklungs­kosten drastisch reduzieren. Wir liefern dem Kunden einen Maßanzug quasi von der Stange.

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