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„Profinet ist kein Hinderungsgrund, (teil-)autonome Systeme mit dezentraler ­Intelligenz auszustatten.
Im Gegenteil!“ Christian Wolf, Geschäftsführer Turck Bild: Turck
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„Safe und Non-Safe aus einer Hand“

Text: Harry Jacob, A&D
Das neue I/O-Modul markiert für den Hersteller einen Schritt in ein neues Geschäftssegment. Welche strategischen Überlegungen dahinter stehen und welche Möglichkeiten sich im Maschinenbau daraus ergeben, dazu befragte A&D Christian Wolf und Oliver Merget von Turck.
A&D:

Warum bringt Turck jetzt ein Safety-I/O-Modul auf den Markt?

Wolf:

Wir glauben, dass sich das Safety-Thema immer schneller entwickelt. Bislang war Turck hier nicht durchgängig vertreten. Wir streben eine ganzheitliche Produktkompetenz an, daher haben wir Produkte wie Sicherheitsvorhänge und ähnliches über eine Technikkooperation bereits im Portfolio. Jetzt wollen wir in ein Produktsegment vorstoßen, das diesen Ansatz erweitert. Von Lichtschranken über Sicherheitslichtgitter und Personenschutz bis hin zum Thema I/O können wir nun eine Gesamtlösung anbieten, die das Sicherheitsthema innerhalb der Applikation vollständig abdeckt, von der Signalentstehung bis zur -auswertung. Dafür rechnen wir uns gute Marktchancen in ausgewählten Segmenten des Maschinenbaus aus.

Werden wir noch weitere Sicherheitsprodukte von Turck sehen?

Wolf:

Ja, der Safety-Bereich wird auf jeden Fall noch ausgebaut, weil dieses Thema im Maschinenbau unerlässlich ist. Für uns als Lieferanten ergibt sich immer wieder die Situation, dass Safety zwar nur einen kleinen Teil der benötigten Komponenten ausmacht, der Maschinenbauer aber auch die 90 Prozent der Teile, die nicht mit der Sicherheit zu tun haben, dort einkauft, wo er alles zusammen bekommen kann. Denn er will keine gemischte Lösung, sondern Non-Safe und Safe aus einer Hand – und auf diesen Trend reagieren wir mit unserem Portfolio.

Merget:

Wir werden beispielsweise einen Block mit reinen Safety-I/Os entwickeln und auch weitere Produktfamilien mit sicheren Ein- und Ausgängen ausstatten. Zudem sorgen wir dafür, dass wir alle benötigten Safety-Sensoren führen. Den Bereich der sicheren Steuerungen dagegen werden wir allerdings auch in Zukunft nicht angehen.

Der zunehmende Einsatz von Safety-Lösungen ist aber doch nicht so neu?

Wolf:

Das ist richtig. Allerdings war in den Branchen, in denen wir uns bewegen, die Nachfrage bislang noch nicht so stark, dass wir die Entwicklung hätten forcieren müssen. Mehr Potenziale bot uns hier zum Beispiel RFID. Letztendlich kommt man aber an Safety nicht mehr vorbei, und so war es keine Frage, ob, sondern nur wann wir hier mehr tun werden. Für uns war allerdings auch wichtig, nicht einfach nur nachzuziehen, sondern etwas anzubieten, mit dem wir uns von Wettbewerbern unterscheiden – wie dem nun vorgestellten hybriden Safety-I/O-Modul.

Wie wichtig ist für Turck das Thema IP67 im Feld?

Wolf:

Das ist für uns die Hausschutzklasse, denn die meisten unserer Produkte werden außerhalb des Schaltschranks installiert. Wir setzen voll auf die dezentrale Automatisierung der Fertigung – das ist die strategische Positionierung unseres Hauses. Die Grundlage für eine ganzheitliche Automatisierung ist für uns die Intelligenz direkt auf der Maschine. Das Portfolio von Turck ist daher zum größten Teil für IP67 oder höhere Schutzklassen ausgelegt.

Dezentral war ja in Feldbuszeiten eher der Normalfall, mit Ethernet kam eine stärkere Zentralisierung. Sehen Sie nun das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen?

Merget:

Gerade bei mittelgroßen Maschinenbauern zeigt sich, dass Schaltschranklösungen häufig aufwendiger und auch teurer sind als dezentrale Installa­tionen. Das Missverhältnis steigt noch an, wenn die Maschinen selbst kleiner und kompakter werden. In der Folge setzt sich wieder etwas durch, was immer unsere Philosophie war: dass es schneller und einfacher ist, auf der Maschine dezentrale Verbindungen zu installieren.

Spielt Ihnen da die Modularisierung, das Aufteilen größerer Maschinen und Anlagen in cyber-physikalische Systeme, in die Hände?

Wolf:

Ja, absolut! Die größeren Unternehmen fangen oft an, mit einem Schaltschrank zu planen, weil sie entsprechend große Maschinen und Anlagen bauen. Die Grundlage bietet Profinet, aber das ist heute nicht mehr begrenzt auf den Schaltschrank, sondern breitet sich zunehmend in die Feldebene aus. Dementsprechend ist es kein Hinderungsgrund, teilautonome oder autonome Systeme mit dezentraler Intelligenz auszustatten. Im Gegenteil, der Verzicht auf eine Schaltschrankinstallation trägt ja dazu bei, Maschinen kompakter und effizienter zu gestalten. Diese Teilsysteme lassen sich problemlos auf Basis von Profinet verbinden oder für den amerikanischen Markt mit Ethernet/IP.

Warum haben Sie sich für die Standards Profinet und Ethernet/IP entschieden?

Wolf:

Wir sehen, dass auch bei den großen Feldbusstationen TBEN-L und ebenso bei den Kompaktmodulen TBEN-S das Thema Profinet sehr starken Auftrieb hat. Sie finden sehr große Verbreitung im Markt, insbesondere in der Automobilindustrie, und daran wollen wir auch mit diesem Produkt anknüpfen.

Merget:

Auf dem amerikanischen Markt ist Ethernet/IP Pflicht. Eine entsprechende Variante wird es Anfang kommenden Jahres geben, mit integrierten Sicherheitsfunktionen gemäß CIP-Safety. Das hilft uns auch im Wettbewerb, denn Siemens und Rockwell unterstützen jeweils nur einen der beiden Standards, während wir alle zwei aus einer Hand abdecken. So muss der OEM, der in unterschiedlichen Märkten tätig ist, nicht den Lieferanten wechseln. Mittelfristig werden wir das hybride Safety-I/O-Modul in einer Multi­protokoll-Variante zur Verfügung stellen, so dass bei Planung und Bau nicht mehr unterschieden werden muss, ob für den europäischen oder den amerikanischen Markt.

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