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Retrofit für Speiseeis

Text: Torsten Gast, Phoenix Contact FotoS: fractalgr; Phoenix Contact
Im Laufe der Jahre müssen viele Betreiber ihren Maschinenpark umbauen oder modernisieren. Der Retrofit-Auftrag geht dann entweder an einen externen Lieferanten oder wird von der eigenen Instandhaltungsabteilung durchgeführt. Im letztgenannten Fall kann sich der Betreiber schnell zum Konstrukteur wandeln.

Das Unternehmen Eisbär Eis produziert täglich über 1,5Millionen Portionen Eis. Die rund 245 Mitarbeiter stellen in drei Schichten mehr als 200 verschiedene Eisvarianten her. Da die Nachfrage stetig zunimmt - 2012 wurden über 23000t Eismix verarbeitet - muss der Eishersteller seine Fertigungskapazitäten Jahr für Jahr erweitern. Dies hat zur Folge, dass auch der Maschinenpark kontinuierlich um- und ausgebaut wird. Entsprechende Arbeiten setzt unter anderem die unternehmenseigene Elektrokonstruktion um. So auch 2011, als eine Rundtakt-Stielmaschine umgebaut werden sollte. Doch dieser Fall lag anders als die bislang realisierten Maßnahmen. Die Mitarbeiter hatten sich kurz zuvor in einem von Phoenix Contact ausgerichteten Seminar zum Thema funktionale Sicherheit über die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG sowie wesentliche Veränderungen in sicherheitsgerichteten Maschinenbereichen informiert. Das dort gelernte führte zu einer erneuten Betrachtung des Umbauvorhabens. Die Modernisierungsaktivitäten umfassten ein neues Füllgerät für die Eiscreme und einen neuen Stielestecker. Aufgrund der daraus resultierenden höheren Taktzeiten kamen die Eisbär-Elektrokonstrukteure zu dem Ergebnis, dass eine wesentliche �?nderung der Maschine vorlag. Daher würde mehr Arbeit auf sie zukommen, besonders da die bestehende Maschine 1991 angeschafft worden war und über kein CE-Zeichen sowie wahrscheinlich keine Risikobeurteilung des Herstellers verfügte.

Grundlage: Risikobeurteilung

Um alle neuen Gefährdungen zu ermitteln, wurde eine Risikobeurteilung durchgeführt. Dazu beschreibt die Norm EN ISO 12100:2012 die Vorgehensweise und zeigt sämtliche Gefahren auf. Im ersten Schritt werden sowohl die Grenzen der Maschine als auch ihre Lebensphasen definiert. Hier bestand die Möglichkeit, den Geltungsbereich auf den Einbauraum mit dem neuen Füllgerät und dem Stielestecker zu beschränken. Die Verantwortlichen haben sich jedoch für eine Komplettbetrachtung entschieden. Anschließend werden alle möglichen Gefährdungen wie Einzugs- und Quetschstellen geprüft und bewertet.Sobald eine Gefährdung identifiziert ist, muss sie hinsichtlich der Häufigkeit der Aufenthaltsdauer im Gefahrenbereich, der Wahrscheinlichkeit des Auftretens und Möglichkeit zur Vermeidung beurteilt werden. Diese drei Einflussgrößen werden dann zusammengerechnet und ergeben die Eintrittswahrscheinlichkeit. Diesen Wert stellt man dem Schadensausmaß gegenüber. So lässt sich errechnen, ob die Gefährdung zu hoch ist und reduziert werden muss oder, ob das bestehende Restrisiko akzeptabel ist. Im letztgenannten Fall sind keine weiteren Maßnahmen notwendig. Müssen risikomindernde Aktivitäten ergriffen werden, gibt die Richtlinie vor, dass das Risiko zuerst konstruktiv, danach technisch und schließlich beschreibend zu senken ist.

Hilfestellung: Vor-Ort-Moderation

Die Mitarbeiter des Competence Center Safety von Phoenix Contact haben die dargestellte Vorgehensweise und den Prozess der Risikobeurteilung im Rahmen einer Moderation sukzessive bei Eisbär Eis durchgeführt. Eine speziell entwickelte Dokumentationsvorlage auf Basis von MS Office diente der Formulierung sämtlicher Schritte des Sicherheitslebenszyklus als Nachweisdokument. Die Moderation wurde direkt vor Ort vorgenommen, um die vorhandene Maschine ständig in die Betrachtung einbeziehen zu können. Das Team der Elektrokonstruktion hat die Risikobeurteilung in Kooperation mit dem Safety-Team von Phoenix Contact auf der Grundlage der Dokumentationsvorlage durchgeführt. Zu diesem Zweck sind die Gefahren systematisch und vollständig identifiziert und erläutert, die Risikoparameter eingeschätzt sowie das Risiko bewertet worden. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter beider Unternehmen alle Tätigkeiten in den einzelnen Lebensphasen der Maschine ausführlich dargelegt und ihren einzelnen Nutzern zugeordnet. Das Safety-Team begleitete den Prozess so lange, bis die Elektrokonstrukteure die letzten Punkte der Risikobeurteilung eigenständig beschreiben und ausfüllen konnten. Nach der Fertigstellung des Dokuments wurde es zur Überprüfung an Phoenix Contact geschickt, damit Eisbär Eis sicher sein kann, dass der Prozess der Risikobeurteilung korrekt vollzogen worden ist.

Lösung: einfache Maßnahmen

Auf Basis der abgefassten Risikobeurteilung wurden die Ergebnisse anschließend umgesetzt. Der Prozess hat wichtige Erkenntnisse im Hinblick auf Gefährdungspunkte ergeben, die sich bereits mit einfachen konstruktiven Maßnahmen so reduzieren lassen, dass keine weiteren Aktivitäten erforderlich sind.„Ohne die strukturierte Vorgehensweise bei der Moderation der Risikobeurteilung durch die externen Spezialisten wären wir einige Gefährdungen sicher anders angegangen“, stellt Patrick Borchers als bei Eisbär Eis für das Projekt Verantwortlicher abschließend fest.

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