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„In jungen und innovativen Branchen ist Pilz bereits stark mit Systemlösungen vertreten.“ Thomas Pilz, Pilz
Steuern & Vernetzen

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„In der Gesamtheit sicher“

Text: Fragen & Fotos: Mathis Bayerdörfer, A&D
Das Unternehmen Pilz hat sich in der Sicherheitstechnik einen Namen gemacht, bietet jetzt aber auch Standardlösungen an. Inwieweit diese Strategie der Entwicklung des Marktes geschuldet ist, erklärt Geschäftsführer Thomas Pilz.

A&D: Herr Pilz, Ihr Unternehmen ist in der Sicherheitstechnik groß geworden und dort erfolgreich positioniert. Dennoch haben Sie das Angebot über die Safety hinaus erweitert. Welche Entwicklung steht dahinter?

Thomas Pilz: Der Markt, in dem wir tätig sind, hat sich über die Zeit stark verändert: Aus der Schütztechnik heraus sind sichere Steuerungen entstanden, die jetzt an manchen Stellen durch IPCs abgelöst werden. Diese Entwicklung begleitend, haben wir unsere Marktposition über Steuerungen hinaus auch mit sicherer Sensorik und Aktorik vertieft. Doch Kunden wollten auch immer öfter wissen, wie es Pilz mit der Automatisierung allgemein hält. Seit der Präsentation unseres Automatisierungssystems PSS 4000 lautet unsere Antwort: Wir bieten Automatisierung und Sicherheit aus einer Hand. Natürlich darf man nicht vergessen, wo man herkommt und deshalb bleibt die Sicherheit nach wie vor die Kernkompetenz unseres Unternehmens.

Viele Automatisierer wandeln sich vom Komponentenlieferant zum Systemanbieter. Tritt Pilz nicht längst als Systemanbieter für Safety auf und inwieweit wollen Sie dem Trend auf der Standardseite folgen?

Ihre Analyse trifft die Entwicklung unseres Unternehmens sehr gut. Ja, wir sind Safety-Systemlieferant. Aber alleine durch die Sicherheitstechnik läuft eine Maschine nicht. Deshalb wollen wir dem Kunden neben unserer Safety-Kompetenz auch Standardlösungen anbieten. Dieses Vorhaben war mit viel Entwicklungsaufwand verbunden und aus heutiger Sicht ein richtungsweisender Kraftakt für unser Unternehmen.

Wie reagiert der Kunde auf Ihr erweitertes Angebot?

In der Regel erst einmal verwundert. Viele sagen: Ich wusste ja gar nicht, dass ihr das könnt. Doch die Kunden entscheiden sich zunehmend auch über die Sicherheitstechnik hinaus für unser Angebot. Denn wir hören dem Kunden genau zu und bieten dann das, was er wirklich braucht. Wichtig ist, dass er unsere Gesamtkompetenz im Hinterkopf behält.

Gibt es bestimmte Kundengruppen, die Ihr Systemangebot in Anspruch nehmen?

Das lässt sich nur schwer eingrenzen. In vielen Branchen geht es darum, ob die Automatisierung schon längst etabliert oder noch recht neu ist. Klassische Maschinenbauer sehen Pilz noch eher in der Safety-Nische. In jungen und innovativen Branchen hingegen, zum Beispiel erneuerbare Energie oder Recycling, ist Pilz bereits stark mit Systemlösungen vertreten.

Die Automatisierungsbranche ist eng besetzt. Wie sieht es denn bei der Sicherheitstechnik aus?

Sieht man die Sicherheit als Funktion in der Gesamtdisziplin Automatisierung, gibt es durchaus ernstzunehmende Konkurrenz - selbst wenn die meisten Unternehmen nicht unsere Beratungskompetenz besitzen. Man kann also nur bestehen, wenn man sich über intelligente Konzepte von der Masse abhebt.

Und welche Alleinstellungsmerkmale wollen Sie hier bieten?

Diese Frage haben wir uns vor allem beim Einzug der Ethernet-Standards in die Industrie gestellt. Plötzlich war die Bandbreite ausreichend, um sowohl Sicherheits- als auch Standardprotokolle über eine Leitung zu schicken. Dennoch war für uns in der Folge schnell klar: Das Netzwerk an sich ist zweitrangig, viel wichtiger ist die Steuerung.

Ist aus diesem Gedanken heraus das Automatisierungssystem PSS 4000 entstanden?

Nun, wir haben lange überlegt, was der Markt eigentlich braucht. Dem mechatronischen Ansatz folgend haben wir als Voraussetzung sowohl modulare Hardware als auch eine intelligente Steuerungsumgebung definiert, die eine parallele Entwicklung von Soft- und Hardware ermöglicht. Doch während gängige Steuerungen auf eine Master-Slaves-Struktur aus- und festgelegt sind, ist das System PSS 4000 als dezentrales multimasterfähiges Konzept entwickelt worden.

Reicht dieses Alleinstellungsmerkmal, um bei den Kunden erfolgreich zu sein?

Auf jeden Fall. Denn bei uns bekommt der Kunde keine SPS plus Sicherheitssteuerung, sondern nur ein übergreifendes System. Es deckt sowohl die Sicherheitsfunktionalität in Hard- und Software ab als auch die komplette Standardfunktionalität. Der Anwender benötigt nur die jeweils passenden Kopfmodule für die I/Os.

Verschiebt sich die Safety innerhalb der Automatisierung zunehmen in die dezentrale Richtung?

Geht es nach uns, darf sich die Sicherheit gerne in Richtung dezentraler Ansätze entwickeln. Schließlich setzen wir mit Safetynet P und PSS 4000 genau auf diesem Paradigma auf. Doch auch bei aller Dezentralität und Vorverarbeitung wird die Notwendigkeit eines zentralen Bildes zur Übersicht gegeben sein. So wie unsere Hände viele Reize bereits vorverarbeiten, während die Endverarbeitung im Gehirn stattfindet, wird es zukünftig auch bei der Maschine sein: Vorverarbeitung findet dort statt, wo es ohne das Gehirn geht. Soll in Summe aller Prozesse aber auch tatsächlich das gewünschte Teil herauskommen, ist das Gehirn unersetzbar. In diese Richtung geht die Vision von Industrie 4.0: In kleinen Sub-Systemen wird effizient und optimal gearbeitet, während das Internet die Lage zusammenfasst. Diese Dezentralität wird durch die Sensorik vor Ort gefördert.

Der Sensorik kommt ja im Gedankenspiel Industrie 4.0 besondere Bedeutung zu. Wie verändert sich diese Rolle bei Ihnen im Hause?

Sensorik ist und bleibt bei uns sehr wichtig. Aber mit neuen Einsatzmöglichkeiten steigen auch die Anforderungen: Ein gutes Beispiel bietet unser sicheres 3D-Kamerasystem SafetyEYE: Dessen intelligente Auswerteeinheit könnte neben der Safety über CCTV in Zukunft auch Security-Aspekte abdecken. Selbst einfache Sensoren werden Zusatz- und Steuerungsfunktionen übernehmen. So kann unsere Psen-Baureihe mit weiteren Ausgängen jetzt auch Signale an die Steuerung senden.

Das heißt, Pilz beschränkt sich zukünftig nicht mehr auf die Safety-Seite der Sicherheit?

Mit den Anforderungen von Industrie 4.0 beginnt ein neuer Zyklus der Automatisierung. Moderne Sicherheitskonzepte, zum Beispiel für den Bereich Mensch/Roboter-Kollaboration, werden auch immer ihren Fokus auf industrielle Security legen. Diesem Trends und der damit einhergehenden Vernetzung von Feld- und Steuerungsebene mit der Leitebene und ERP-Systemen werden wir uns ganzheitlich stellen.

Dann erledigt sich ja vielleicht auch die semantische Vereinheitlichung im Deutschen: Verschmelzen Safety und Security zu einer Sicherheit?

Bestimmt, denn der Mensch fühlte sich schon immer nur in der Gesamtheit sicher: Er braucht Feuerwehr, Krankenhaus und die Polizei. Analog erlauben auch nur Safety, Security und die Automatisierung zusammen den sicheren Betrieb einer Maschine.

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