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Steuern & Vernetzen

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Ethercat und 
Profinet –
friedlich vereint

Text: Harry Jacob, A&D
Der weitverbreitete Profibus ist in die Jahre gekommen. Wo Anlagen modernisiert werden, steht immer auch die Frage nach einem Ethernet-basierenden Nachfolgerprotokoll im Raum. Doch für welches soll man sich entscheiden? Inzwischen gibt es eine Alternative zum harten „Entweder-oder“.

Dieses Frühjahr war es endlich soweit: Vipa präsentierte für das Steuerungssystem 300S eine CPU mit Ethercat-Master, der mit dem Code des konkurrierenden Bussystems Profinet, Step7, kompatibel ist. Für Rainer Habermann, Entwicklungschef bei Vipa, ist das nur logisch: „Vipa steht ja traditionell für die Öffnung der Simatic-Welt. Und genau das setzen wir mit der 300S fort“. Die Steuerung „spricht“ sowohl Ethercat als auch Profinet. Für Kunden möglicherweise noch wichtiger ist aber die Tatsache, dass die CPU in beiden Fällen den bewährten Step7-Code verarbeiten kann.

In Herzogenaurach ist man davon überzeugt, dass der Profibus nicht automatisch durch das von Siemens propagierte Profinet-Protokoll abgelöst wird. Vielmehr geht man davon aus, dass von den zahlreichen konkurrierenden Standards nur zwei den europäischen Markt dominieren werden: Ethercat und Profinet. Deshalb habe man eine Entwicklung angestoßen, den Kunden mit einem Produkt diese beide Alternativen offen zu lassen: „Egal ob der Kunde, der von Profibus umrüstet, die Weiche für Profinet oder für Ethercat stellt – wir lassen ihm die freie Entscheidung und können ihn in beiden Fällen unterstützen“, betont Habermann.

Dass man ausgerechnet auf Ethercat als Alternative zu Profinet setzt, habe der Markt vorgegeben. Rainer Habermann sieht in dem Protokoll einen sehr flexiblen Standard, der Herstellern wie Vipa und anderen die Entwicklung neuer Steuerlösungen erleichtere und damit auch die Möglichkeiten der Anlagenbauer verbessere. Zudem bekomme man sehr viel Unterstützung von der Nutzerorganisation Ethercat Technology Group (ETG). Diese zeichne sich für ihre Offenheit bei der Zusammenarbeit aus.

Angekündigt war die Steuerung 300S schon länger, endgültig freigegeben wurde sie Anfang des Jahres. Nachdem die ­ersten funktionsfähigen Hardware-Muster gebaut waren, musste das Engineering angepasst werden. Dabei halfen ausgewählte Kunden, die ihre Anforderungen formulierten und als Beta-Tester fungierten. „Das Engineering gewinnt immer mehr an Bedeutung“, so Habermann, denn der Aufwand für Handling und Wartung beeinflusst immer öfter die Entscheidung, welches Steuerungssystem der Kunde wählt. „Deshalb haben wir darauf geachtet, dass die Anwender den Feldbus in ihrer bekannten Step7-Programmierwelt konfigurieren können, ohne selbst allzu tief in die Ethercat-Welt eintauchen zu müssen.“

Umgesetzt wird dieser Anspruch mit dem von Vipa zur Verfügung gestellten Ethercat-Konfigurator für den ­Simatic-Manager oder als voll integrierte Lösung der Vipa-eigenen Programmierumgebung Speed7 Studio, die speziell für die neue Steuerungslösung erweitert wurde. Das hat weitreichende Konsequenzen, denn dadurch kann der Anwender sogar auf den jahrelang gepflegten Code seiner bisherigen Profibus-Steuerungen aufsetzen. Bei einem Wechsel zu Ethercat muss er also nicht komplett von vorne mit der Steuerungsprogrammierung beginnen, was den Aufwand für die Ethercat-Einführung deutlich senkt.

Nun sind die ersten Installationen im Feld und müssen sich bei den Kunden bewähren. Gemeinsam mit Vipa werden dort erste Applikationen in der Praxis entwickelt und getestet. Das Interesse bei den Entwicklungspartnern war groß. „Manche Kunden haben schon auf die Auslieferung gewartet“, verrät Habermann. Und die nächsten Schritte im Produktportfolio sind bereits geplant. So soll es neben den Modellen der Serie 300 S, die eine hohe Kompatibilität mit den Simatic-Steuerlösungen aufweisen, bald auch Ethercat-Varianten des SLIO-Systems geben. Damit wird auch die modernste Familie an Steuerungslösungen im Vipa-Portfolio auf beide Feldbussysteme, Ethercat und Profinet, aufgerüstet. Der Hersteller wird diese erstmals auf der SPS IPC Drives 2014 präsentieren. Dabei will Vipa das Thema aber nicht bewenden lassen. Im Fokus der anstehenden Messe steht die Integration des Produktportfolios mit der Konzernmutter Yaskawa – und die wird auf Basis von Ethercat mit den neuen Steuerungen demonstriert.

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