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„Eigentlich ist es eine Technik für die Übergangszeit“

Text: Harry Jacob, A&D
Warum es noch viele Jahre eine Brücke von Profibus zu Profinet geben muss, und wie sich die Vernetzung der automatisierten Fertigung ändert, erläutern Andreas Müller und ­Matthias Reusch im Gespräch mit A&D.
A&D:

Wie entwickelt sich der Markt für Profibus?

Müller:

Profibus ist der derzeit wichtigste Feldbus, denn er hat die größte Verbreitung. Mit dem Aufkommen von Profinet war klar, dass die Profibus-Welt in diese Richtung migriert, aber das wird noch eine längere Zeit dauern. Für eine schnelle Umstellung ist die installierte Basis viel zu groß. Wenn Sie beispielsweise an einen Automobilhersteller denken, dessen Fertigung unter Umständen Jahrzehnte in Betrieb bleibt – da wird natürlich immer wieder ausgetauscht und erneuert. In diesem Rahmen entstehen dann zum Beispiel Inseln in der Produktion, die auf Profinet basieren. Aber die ursprüngliche Profibus-Installation im Rest der Anlage bleibt erhalten. Um diese beiden Welten zu verbinden, haben wir mGate entwickelt.

Und wie schlägt sich Profinet im Verhältnis zu Profibus?

Müller:

Das Anfragevolumen für Profibus ist bei uns nach wie vor sehr hoch und in etwa vergleichbar mit der Zahl der Anfragen zu Profinet. Sieht man sich die realisierten Projekte an, dann ist die Zahl der zu installierenden Knoten bei Profibus deutlich höher. Offensichtlich sind viele Marktteilnehmer noch dabei, sich in Sachen Profinet zu orientieren. Welche technischen Möglichkeiten habe ich? Was bedeutet das an Aufwand? Wie hoch sind die Kosten? Daraus resultieren die Anfragen von Maschinen- und Anlagenbauern. Aber von deren Kunden werden Profinet-Installationen noch nicht in diesem Maße nachgefragt. Obwohl klar ist, dass mit der Entwicklung hin zu Industrie 4.0 die Vernetzung auf Ethernet-Basis kommen muss. Für uns als Anbieter industrieller Kommunikation sind das auf jeden Fall gute Aussichten.

Welche Protokolle decken die mGate-Gateways ab?

Müller:

Im ersten Quartal dieses Jahres haben wir die Varianten für die wichtigsten Busse fertiggestellt: Profibus, Profinet, Ethercat, Ethernet/IP, CANopen, Devicenet und Powerlink. Im zweiten Quartal folgen Modbus/TCP und Sercos. Unterstützung für CC-Link und einige weitere serielle Busse ist für Mitte des Jahres vorgesehen.

Braucht man spezielles Fachwissen für den mGate-Einsatz?

Reusch:

Jeder, der Feldbusse installieren kann, kann auch ohne Probleme unsere Gateways einsetzen. Dazu ist kein spezielles Know-how nötig. Sie sind Plug&Play-fähig und brauchen nicht einmal eine Konfiguration. Sie stecken einfach die beiden benötigten Module auf die Hutschiene, setzen die Brücke dazwischen ein und verbinden sie mit dem Netzwerk – fertig. Dementsprechend müssen die Konstrukteure auch keine Vor-Ort-Schulungen, Zertifizierungen oder ähnliches buchen.

Wie leistungsfähig ist die Umsetzung von einem Protokoll zum anderen?

Reusch:

Zunächst entkernen wir die Kommunikation. Bei der Umsetzung von Profibus auf Profinet beispielsweise entfernen wir alle Header-Informationen auf der Profibus-Seite. Dann schreiben wir auf der Profinet-Seite neue Headerdaten für dieses Protokoll. Das ist die ureigenste Aufgabe dieser Gateways. Spezielle Protokolle wie Profisafe und Profienergy werden bei dieser Gateway-Variante dagegen einfach durchgeschleust, da es diese in beiden Welten gibt.

Sie haben das mGate auf der Embedded World präsentiert. Wie war das Feedback der Standbesucher?

Müller:

Rund 50 Prozent unserer Messe-Leeds haben sich auf die mGate-Protokollumsetzer bezogen, das war für uns ein außerordentlicher Erfolg. Die Kunden wissen zu schätzen, dass das Gateway zweiteilig ist und man nicht für jede Bus-Kombination ein eigenes Gerät braucht. Generell sind Gateways eine Hilfe, die eigentlich nur für Übergangszeiten gedacht sein kann. Damit lassen sich sehr schnell zwei unterschiedliche Netze miteinander verbinden. Die ideale Lösung wäre ein homogenes Netzwerk. Das hieße aber, eine Profibus-Installation komplett durch ein Profinet zu ersetzen – dem steht natürlich der Investi­tions­schutz entgegen.

Das Internet der Dinge und Industrie 4.0 waren große Themen auf den gerade zurückliegenden Messen. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Müller:

Was die konkrete Ausgestaltung von Industrie 4.0 betrifft, da sehen wir zwar einzelne Projekte, die sich in der Umsetzung befinden. Es fehlt aber noch eine an einer breiten Entwicklung. Wir begrüßen es sehr, dass die Bundesregierung mit der Plattform Industrie 4.0 einen Beitrag leistet, um die nächste industrielle Revolution voranzubringen. Auf der anderen Seite glauben wir, dass gerade die größeren Anbieter, die den Markt stark beeinflussen, selbst noch nicht an dem Punkt sind, konkrete Entwicklungen benennen zu können. Wir gehen aber davon aus, dass sich schon in den kommenden Monaten mehr Ideen und Projekte entwickeln werden. Und dann können auch wir als kleinerer Anbieter von industrieller Kommunikation dazu beitragen, dass diese Projekte auf Seiten der Datenübertragung realisiert werden.

Industrie 4.0 ist also noch Zukunftsmusik?

Reusch:

Nein, es gibt bereits sichtbare Anfänge. Kürzlich habe ich mit einem Vertreter eines Möbelherstellers gesprochen. In dieser Branche ist das Thema Losgröße 1 schon sehr stark verankert. Die Herausforderung dort lautet deshalb, wie man die Daten aus dem Auftrag, der über das Bestellsystem in die IT kommt, dann in die Fertigung weiterleitet. Es ist äußerst spannend zu sehen, wie dort bereits Informationstechnik und Fertigung miteinander verknüpft werden.

Müller:

Für mich ist gerade die Automobilindustrie ein klassisches Beispiel für diese Entwicklung. Der Anteil der Autos, die in der Grundausstattung, wie im Prospekt dargestellt, verkauft werden, sinkt immer mehr. Jeder möchte doch seine individuelle Ausstattung haben, da gibt es vielfältige Optionen. Der Kunde kann sich sein Auto per Online-Konfigurator zusammenstellen. Und statt mit der ausgedruckten Zubehörliste zum Händler zu gehen, drückt er heute auf den Knopf, und einige Wochen später erhält er sein Fahrzeug genau nach seinen Wünschen. Dahinter steht eine durchgängige industrielle Kommunikation, und Kunbus leistet mit seinen Produkten dazu seinen Beitrag.

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