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„Auch eine dezentrale Peripherie muss in Zeiten von Industrie 4.0 im gesamten smarten Kontext integriert sein.“ Manfred Wolf, Siemens Bild: Jessica Schuster, A&D
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„Die Details machen den Unterschied“

Text: Mathis Bayerdörfer, A&D
A&D sprach mit Manfred Wolf, Marketing Manager bei Siemens, über das Funktionsspektrum und die Einsatzmöglichkeiten der neuen Produktlinie Simatic ET 200AL sowie deren Stellenwert im Automatisierungsportfolio von Siemens.
A&D:

Warum haben Sie die neue Gerätelinie entwickelt und auf den Markt gebracht?

Manfred Wolf:

Der Trend geht in vielen Märkten dahin, dass auf immer engerem Raum produziert werden muss. Wir antworten darauf mit einer speziell abgestimmten Erweiterung unseres Portfolios, denn die neue Produktlinie ist sehr kompakt, leicht und robust. Solche dezentralen Peripheriemodule, gerade mit M8-Anschlüssen, gab es bislang nicht in unserem Portfolio. Viele Kunden haben aber gezielt danach gefragt, weil sie mit den am Markt verfügbaren Lösungen nicht zufrieden waren. Deshalb lag unser Entwicklungsfokus auf einer Funktionalität, die über die des Wettbewerbs hinausgeht. Ein wichtiger Punkt ist hier die schnelle und unkomplizierte Montage.

Was ist daran so besonders?

Viele Produkte im Markt haben Defizite in puncto Montage und das merkt der Inbetriebsetzer oder Anlagenbauer. Wir hingegen haben sehr viel Gehirnschmalz in das Befestigungskonzept gesteckt und die Größe und Form der I/O-Module auf die im Maschinenbau gängigen 30mm-Profile abgestimmt. ET 200AL lässt sich in jeder Lage bündig auf die Profile montieren: ob Front- oder Queranschraubung, ob vertikal oder horizontal. Durch die einheitliche Konstruktion ist jedes Peripheriemodul vom Aufbau her identisch. Abgehende Kabel lassen sich zudem mit Kabelbindern direkt am Gehäuse zusammenführen. Auch die farbliche Markierung und die CAx-gerechte Kennzeichnung in Buchstaben und Zahlen erleichtern Installation und Inbetriebnahme. Neben diesen herausragendenen Design-Eigenschaften, erfüllen unsere Produkte auch die technischen Eigenschaften in erprobter Siemens Qualität.

In welchen konkreten Anwendungen und Branchen kann die neue Produktlinie diese Vorteile besonders ausspielen?

Die neuen Module sind in einer Vielzahl von Branchen einsetzbar. Vor allem dort, wo es wenig Platz und viel Bewegung gibt. Wir sehen das Potenzial weniger beim klassischen Sechsachsroboter als vielmehr in der Montage- und Handhabungstechnik. So zielen wir zum Beispiel auf Anwendungen ab, bei denen das Peripheriemodul mitbewegt wird, wie Linearachsen oder Schleppketten. Je leichter das verbaute I/O-Modul, desto schneller und produktiver ist die Maschine. Zudem reduzieren sich der Verschleiß und die Belastung durch Vibrationen.

Gibt es auch besondere Highlights auf der Funktionsseite?

Ja, vor allem im Zusammenspiel mit anderen Automatisierungskomponenten und -lösungen von Siemens. Das beginnt bei der Einbindung in die Engineering-Umgebung TIA-Portal und systemübergreifenden Tests. Weiterhin lassen sich die Module auch ohne fehlersicherer Kommunikation, beispielsweise Profisafe, mit einer CPU sicherheitsgerichtet abschalten. Ein weiterer großer Mehrwert ist, dass der Anwender die dezentralen I/O-Module auch ohne Kopfstation mit dem Schaltschrankpendant ET 200SP vernetzen kann. Sensoren oder Aktoren an den verschiedenen Abschnitten einer Maschine oder Montagelinie müssen also nicht einzeln zum zentralen Schaltschrank geführt werden, was dem Anwender einiges an Aufwand und Kosten spart. Mit der Profienergy-Funktionalität haben wir auch Anforderungen des Marktes hinsichtlich Energieeinsparung in Stillstandszeiten, wie in Pausen und an Wochenenden, integriert.

Die neue Peripherielinie ist kommunikationsseitig also Siemens-typisch auf Profibus und Profinet ausgelegt?

Gerade im deutschen und im europäischen Markt setzen 80 bis 90 Prozent des Marktes auf die Standards Profinet und Profibus und damit auf Flexibilität, Effizienz und Performance. In den Märkten, in denen die ET 200AL hauptsächlich eingesetzt wird, kommt aber auch IO-Link immer mehr ins Spiel, weil die Version 1.1 an vielen Stellen verbessert und auf die Bedürfnisse des Marktes abgestimmt wurde. Deshalb umfasst die neue Produktlinie neben den Kopfbaugruppen für Profibus und Profinet auch ein IO-Link-Master-Modul.

Was unterscheidet die Produktlinie ET 200AL hinsichtlich der hohen Schutzklasse von anderen IP65/67-Produkten?

Wir haben lange evaluiert, wie man die neuen Module am besten fertigen kann. Im Ergebnis setzen wir für die Herstellung von ET 200AL ein neuartiges und innovatives Klebeverfahren ein. Anstatt die Elektronik der IP65/67-I/O-Module mit Kunstharz zu vergießen, was typischerweise erfolgt und die Module schwerer macht, verkleben wir nur die beiden Gehäusehälften. Dadurch sparen wir viel Gewicht, können aber dennoch die IP65/67-Schutzklasse sowie eine hohe Stabilität und somit einen langjährigen fehlerfreien Einsatz in der Maschine gewährleisten. Weil wir – was für eine IP65/67-Peripherie recht ungewöhnlich ist – den Temperaturbereich der neuen Produklinie nach unten auf -25 °C erweitert haben, sind auch Anwendungen in der Food & Beverage Industrie problemlos realisierbar.

Inwieweit verschieben sich die Anforderungen an dezentrale Peripheriekomponenten? Gibt es einen Einfluss durch das Hype-Thema Industrie 4.0?

Die flexible Produktion entsprechend der Vision Industrie 4.0 wird die technische Komplexität in den industriellen Wertschöpfungsprozessen weiter erhöhen. Auch eine dezentrale Peripherie muss in Zeiten von Industrie 4.0 im gesamten smarten Kontext integriert sein und auch selbst zusätzliche Funktionen bieten. Schließlich arbeitet sie verstärkt mit anderen Komponenten zusammen und fügt sich nahtlos in die Tool-Landschaft ein. Simatic ET 200AL trägt schon jetzt dazu bei, indem sie Leistungsdaten an übergeordnete Systeme übermittelt. Die CAX-gerechte Kennzeichnung der I/Os ermöglicht die Aufnahme in moderne CAD-Software. Nicht zu vergessen: Das durchgängige Engineering und die Systemdiagnose mit dem TIA Portal erlauben die übergreifende Kommunikation mit anderen Automatisierungskomponenten.

Ab wann ist die neue Gerätefamilie verfügbar?

Wir haben die neue Produktlinie erstmals auf der Hannover Messe präsentiert. Verfügbar sind die Geräte voraussichtlich im Frühsommer. Im ersten Schritt bieten wir dann sieben Module an: Profinet- und Profibus-Kommunikationsmodule sowie drei Peripheriemodule mit analogen Eingängen und digitalen I/Os und einem IO Link Master. Weiterhin gibt es ein Zusatzmodul für die ET 200SP zur direkten Anbindung von ET 200AL.

Wie geht es weiter mit der dezentralen Peripherie? Bitte geben Sie einen Ausblick.

Der Einsatz schaltschrankloser Komponenten wird in den kommenden Jahren weiter steigen und damit auch die Bedeutung der dezentralen Peripherie in IP65/67. Entsprechend wird Siemens das Portfolio weiterentwickeln und ausbauen, zum Beispiel hinsichtlich M12-Anschlüssen oder Profisafe-Funktionalität.

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