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„Wir verbreiten keine messianischen Botschaften am Markt“

Text: Fragen: Mathis Bayerdörfer, A&D Foto: B&R
Ende des Jahres soll die Version 4 der Entwicklungsumgebung Automation Studio verfügbar sein. A&D sprach mit Hans Egermeier, Software-Experte im Hause B&R, über die Neuerungen, über ausschlaggebende Entwicklungen am Markt und über nachhaltige Entwicklung.
A&D:

Herr Egermeier, Sie empfehlen - unter Zuhilfenahme von Automation Studio - die Software-Entwicklung nachhaltig anzugehen. Was meinen Sie damit?

Hans Egermeier:

Nachhaltig bedeutet an dieser Stelle, bereits erstellte Arbeitsergebnisse oder entsprechende Varianten wiederzuverwenden und damit doppelte Arbeit und Qualitätsprobleme zu vermeiden. Im Grunde geht es einfach um solide Arbeit. Die Welt der Software ist generell sehr schnelllebig: Man entwickelt übereilt, um Projekte in kurzer Zeit durchzuziehen. Dabei wirft man etablierte Vorgehensweisen oftmals über Bord und die Nachhaltigkeit wird nicht ausreichend berücksichtigt.

Man spart sich also viel Mühe, wenn man von Beginn an weiter vorausschaut?

Genau. Wenn man langfristiger denken und entwickeln will, kommt ein technischer Schlüssel besonders zum Tragen: Software-Systeme werden schnell sehr komplex und im Nachhinein ist es schwer nachvollziehbar, was sie genau macht, und warum. Es sei denn, man zerlegt sie von Anfang an in kleine Einheiten. Dafür bieten sich objektorientierte Abläufe und Programmiersprachen an. Das Automation Studio setzt an dieser Stelle auf C++. So lassen sich funktionale Software-Module erzeugen und die Komplexität gut beherrschen. Aber die B&R-Entwicklungsumgebung kann jetzt noch mehr: Mit der neuen Version 4 führen wir so genannte Application Modules ein. Sie ermöglichen es, Module auf Projektbasis zu erstellen und die Komplexität auf dieser Ebene ebenfalls zu reduzieren. Die Einheiten können dann separat entwickelt, getestet und in Betrieb genommen, aber auch gewartet oder modifiziert werden. Dieses Konzept haben wir mit ausgewählten Kunden umfangreich getestet und sichergestellt, dass es so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.

Kann der Anwender also einzelne Funktionen je nach Bedarf einfach austauschen?

Ja. Dafür bieten die angesprochenen Applikationsmodule eine sehr moderne Möglichkeit. Denn das restliche System bleibt vollständig unbeeinträchtigt. Das ergibt große Vorteile hinsichtlich des Änderungszyklus: Die Geschwindigkeit, mit der das Tool arbeitet, wird wesentlich höher und das Fehlerrisiko verringert sich. Wenn ich nur einen Teil austausche, kann ich diesen Teil nach allen Regeln der Kunst separat testen und danach sicher sein, dass das Modul im Systemverbund fehlerfrei läuft.

Was bedeutet das für die Effizienz in der Entwicklung?

Hier liegen die Ansprüche eng beieinander: Effiziente Software-Entwicklung ist zu großen Teilen auch nachhaltig. Denn die meiste Zeit verliert der Software-Entwickler entweder bei der Fehlersuche - die in der Regel auf keinem Projektplan zu finden ist - oder mit doppelter Arbeit. Oft wird das Rad wieder und wieder und wieder erfunden - und nicht auf Ergebnisse aus vorherigen Projekten oder auf Lösungen aus anderen Teams aufgesetzt. Selbst wenn man Source-Code wiederverwendet, passiert das bislang meist nicht auf systematischer Ebene. Dabei ist an dieser Stelle aus den heutigen Prozessen viel Zeit herauszuholen.

Wieso setzt B&R innerhalb des Automation Studio auf unterschiedliche Programmiersprachen?

Zum einen ist unsere Entwicklungsumgebung ein gewachsenes Produkt und um die Kompatibilität zu erhalten, pflegen wir alle verschiedenen Ansätze. Auch viele Kunden verfügen über gewachsene Systeme, die sie weiterentwickeln wollen. Zum anderen reagieren wir auf die unterschiedlichen Profile und Arbeitsweisen unserer Kunden und Anwender. Bei vielen Unternehmen finden wir die klassische Aufteilung: Der Kern der Entwicklungsmannschaft programmiert mit Hochsprachen wie C oder C++. Aber der Großteil der Applikations- und Service-Ingenieure arbeitet nicht so tief im Code. Sie benötigen für überschaubare Anpassungen und Änderungen im Feld klar definierte Schnittstellen - ohne das Risiko, schwerwiegende Fehler auf Systemebene zu machen. Dafür sind IEC-Sprachen wie Kontaktplan oder Strukturierter Text sehr gut geeignet. Je nach Anwendungsfall kann also eine IEC- oder Hochsprache besser geeignet sein. Deshalb lassen wir dem Kunden die Wahl und verbreiten keine messianischen Botschaften am Markt - für oder wider einen bestimmten Entwicklungsansatz. Unser Anspruch ist es also, jeden Kunden bestmöglich zu unterstützen und dabei moderne und leistungsstarke Tools und Ansätze zu bieten.

Wie tragen Sie der Langzeitverfügbarkeit Rechnung?

Unsere Entwicklungsumgebung ist aufwärtskompatibel - das heißt, mit dem Automation Studio 4 ist es problemlos möglich, Projekte aus vorherigen Versionen zu lesen und zu bearbeiten. Wir sind sehr darauf bedacht, dass unsere Kunden an dieser Stelle keine Entwicklungsergebnisse verlieren. Zudem werden auch in unserer Runtime die Versionen langfristig gepflegt und gewartet. Kunden, die heute auf ein Produkt von B&R setzen, stehen bei zukünftigen technischen Neuerungen nicht im Regen.

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