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Effizienz mit Brief und Siegel

Text: Steffen Kügler, TÜV Süd Fotos: Siemens; TÜV Süd
Die Steuer- und Regelprozesse der Automatisierung bieten einen greifbaren Ansatzpunkt fürEffizienzgewinne - vorausgesetzt ein Energiedaten-Management wertet die vorhandenen Daten aus. Aus der Vielzahl der angebotenen Systeme gilt es aber, das jeweils passende zu wählen.

Zwischen einzelnen Anlagen und Steuerungssystemen werden mit zunehmender Automatisierung immer mehr Informationen ausgetauscht. Der wachsende Datenfluss bietet Möglichkeiten für energiebezogene Auswertungen und Verbesserungen. Doch lassen viele Unternehmen diese Stellschrauben noch ungenutzt. Einer Studie der British Standards Institution von 2009 zufolge erfassen zwar bereits rund dreiviertel der Unternehmen ihren Energieverbrauch, allerdings plant und steuert gerade einmal ein Drittel seinen Energiebedarf systematisch. Dabei machen Preissteigerungen die Energiekosten zu einem wesentlichen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit.

Chance zur Kostensenkung

Die Umstellung der europäischen Norm DIN EN 16001 auf die internationale DIN EN ISO 50001 bietet Unternehmen eine günstige Gelegenheit, einen Blick auf ihr Energie-Management zu werfen. Die ISO-Norm zielt mit ihren Vorgaben darauf ab, den Energieverbrauch in Unternehmen deutlich zu senken und beschreibt Anforderungen zur Einführung, Umsetzung, Aufrechterhaltung und Verbesserung eines Energie-Managementsystems. Die Bundesregierung erwägt, künftig mögliche Rückerstattungen von Energie- und Stromsteuer (Ökosteuer) an den Nachweis eines solchen standardisierten, normkonformen und umfassenden Energie-Managements zu knüpfen. Grundlage ist dann ein System, dass die Energiedaten in der Praxis systematisch erfasst, auswertet und kommuniziert. Solche Energiedaten-Managementsysteme, kurz EDMS, müssen in die individuellen Betriebsprozesse eingepasst sein. Da mittlerweile mehr als 100 verschiedene EDMS auf dem Markt erhältlich sind, ist es für Unternehmen nicht leicht, die richtige Wahl zu treffen. Einen Anhaltspunkt bei der Auswahl gibt der von TÜV Süd entwickelte StandardZertifiziertes Energiedaten-Management. Dieses Siegel erhält ein EDMS nur nach Prüfung einer detaillierten Checkliste, die auf Erfahrungen aus der Zertifizierung nach DIN 16001 und ISO 50001 basiert. Dabei werden vier Ebenen berücksichtigt: Feld, Automatisierung, Management und Service. Im ersten Schritt werden die Energiedaten möglichst präzise und komplett erfasst. Dies geschieht mit Hilfe von Sensoren, welche die Verbrauchsdaten direkt vor Ort messen und so den Energiebedarf einzelner Anlagen oder Komponenten abbilden. Wichtig sind dabei standardisierte Bussysteme, denn Messwertaufnehmer unterschiedlicher Hersteller sollen sich problemlos vernetzen lassen. Darüber hinaus erleichtert eine modulare Anordnung mögliche spätere Erweiterungen und Anpassungen.

Datenverlust verhindern

Auf der Automatisierungsebene rücken neben den üblichen Datenspeichern vor allem multifunktionale Daten-Logger, programmierbare Steuerungen und eine genaue Zeit- und Datumsverwaltung in den Fokus. Jedes Bit der Messgeräte und Wandler soll automatisch erfasst und gespeichert werden können. Die sichere und langfristige Speicherung der Daten bereits auf dieser Ebene verhindert Datenverluste im Gesamtsystem. Zudem sind auch hier standardisierte Bussysteme entscheidend, denn die Komponenten dieser Ebene müssen sich unabhängig vom Hersteller verbinden lassen. Die Management-Ebene übernimmt die Auswertung der Daten und bildet den Kern eines jeden EDMS. Dementsprechend ist die übersichtliche graphische Visualisierung der Informationen hier von besonderer Bedeutung. Das Produkt sollte unterschiedliche Lastgänge in verschiedenen Zeitskalen anzeigen, Live- und Aktualwerte einbeziehen sowie Überschreitungen von Schwell- und Grenzwerten deutlich erkennen lassen. Idealerweise prüft das System automatisch erfasste Daten bereits selbständig auf erste Plausibilität. Zudem muss es in der Lage sein, Energieberichte zu generieren, Kennzahlen zu erstellen und Energieverbrauchstrends abzubilden. Diese Funktionen dienen dem Betriebsleiter oder Energieverantwortlichen als praktische Entscheidungshilfe. Eine Demoversion oder ein Online-Gastzugang der Software, die vor dem Kauf zur Verfügung gestellt werden, können häufig einen ersten Eindruck von der Leistungsfähigkeit und Anwenderfreundlichkeit verschaffen.

Produkt-Support prüfen

Schließlich nimmt bei der Auswahl eines EDMS auch der Kundenservice des Anbieters eine wesentliche Stellung ein. Hier kommt es darauf an, ob Ersatzteile schnell geliefert und Reparaturen umgehend vorgenommen werden. Auch auf die Reaktionszeit des Herstellers auf Anfragen und Störungsmeldungen sollte geachtet werden. Weiterhin gilt es zu prüfen, ob regelmäßige Downloads angeboten werden, um die Software auf dem neuesten Stand zu halten. Sinnvoll sind auch qualifizierte Fachseminare, die Online-Hilfen und Handbücher ergänzen. Der Einsatz eines EDMS bietet Unternehmen die Chance, vorhandene Automatisierungstechnik zu nutzen, um Energieeffizienzmaßnahmen gezielt zu systematisieren. Zugleich stellt die unübersichtliche Fülle von erhältlichen Systemen viele Unternehmen vor die Herausforderung, die richtige Wahl zu treffen. TÜV Süd empfiehlt bei der Auswahl gezielt die vier beschriebenen Produktebenen zu betrachten und auf eine anerkannte Zertifizierung zu bestehen.

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