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Auf dem Prüfstand

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Bewertung der Effizienz komplexer Anlagen

Text: Stefan Heuß und Michael Bunk, TÜV Süd
Je komplexer eine Fertigungsstraße mit unterschiedlichen Verfahrensschritten, desto schwieriger ist zu beurteilen, wie effizient die Anlage Energie und andere Ressourcen nutzt. Orientierung und Planungssicherheit bietet ein Bewertungsstandard, von dem Anlagenhersteller und -betreiber profitieren.

Hohe Energiekosten machen effizientes Produzieren zu einem der bedeutendsten Wettbewerbsfaktoren in der Industrie. Dazu kommen rahmenpolitische Vorgaben für Energieeffizienz und nachhaltige Entwicklung. Doch der Blick auf den Strom- und Energiebedarf allein reicht meist nicht aus. Denn Anlagen, die sich aus zahlreichen Komponenten zusammensetzen und unterschiedliche Verfahrensschritte einbinden, bieten oft weitere Ansatzpunkte, die vom Wasserverbrauch über Kühlmittel und Schmierstoffe bis zu anfallenden Abfällen reichen.

An all diesen Punkten sind Einsparungen möglich, die nicht nur die Betriebskosten senken, sondern auch ein nachhaltiges, ressourcen- und umweltschonendes Produzieren erlauben. Doch wegen der hohen Komplexität und Branchenspezifik ist es im Einzelfall nicht leicht, die Potenziale zu identifizieren. Dies kann nur eine umfassende, systematische Analyse leisten, bei der sowohl einzelne Komponenten als auch die komplex verschaltete Anlage unter dem Aspekt der Effizienz betrachtet werden. Ein geeignetes Werkzeug zur Beurteilung der Effizienz ist der Standard Energy and Media Efficiency, Environmental Sustainability (EME), den der Bereich Industrie-Service des TÜV Süd entwickelt hat.

Bewertung der Einzelanlage...

Für Einzelzertifikate wird die jeweilige Maschine oder Anlage zunächst in Einzelkomponenten und Subsysteme aufgegliedert. Mithilfe eines definierten Kriterienkatalogs wird dann jedes System für sich analysiert. Leitfragen sind dabei zum ­Beispiel: Wurden Komponenten mit hohem Wirkungsgrad installiert? Verfügen sie über Energiesparoptionen? Sind die Komponenten bestmöglich dimensioniert? Aber auch das Zusammenwirken der Einzelelemente wird dahingehend untersucht, ob durch die Summe der Komponenten weitere Einsparungen möglich sind und ob diese realisiert werden – zum Beispiel durch Kreislaufführung oder Kaskadennutzung. Grundlage der Bewertung sind die Ergebnisse in den Einzelkriterien und in den Systemkriterien, die ohne Abweichung zu erfüllen sind. Nebenabweichungen sind in einer festgelegten Frist abzustellen. Werden alle Kriterien erfüllt, wird das Zertifikat vergeben und die Anlage darf mit dem TÜV-Süd-Prüfzeichen gekennzeichnet werden. So kann der Hersteller dokumentieren, dass alle Komponenten auf höchstem Niveau energie- und ressourceneffizient zusammenwirken.

... oder ganzer Produktreihen

Fertigt ein Hersteller für seine Kunden individuelle Lösungen, denen aufgrund ihrer Diversität keine Baumuster zugrunde liegen, dann kann er seinen Qualitätsanspruch mit dem EME-Systemzertifikat dokumentieren. Es gilt für eine vorab definierte Produktreihe, und die Vorgehensweise ist etwa vergleichbar mit der Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems. Dabei wird durch die Unternehmensstrukturen sichergestellt, dass ein fertiges Produkt die EME-Kriterien erfüllt. Für die Systemzertifikate prüfen die TÜV-Süd-Experten in erster Linie die übergeordneten Unternehmensprozesse: Verantwortlichkeiten und die feste, unternehmerische Verankerung des Leitgedankens Energie-, Ressourceneffizienz und Umweltverträglichkeit. Zudem müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es der Belegschaft ermöglichen, alle Anlagen unter den EME-relevanten Kriterien zu entwickeln und herzustellen. Deshalb muss der Hersteller auch konkrete Vorgaben, Leitlinien und ein detailliertes Regelwerk erstellen, das zum Beispiel einen Effizienzverantwortlichen benennt, der nicht nur die Entwicklung und Konstruktion von Anlagen gemäß der EME-Kriterien vorantreibt, sondern mit seinem Team stets auch die beste verfügbare Technik im Blick behält. Zudem zählt die Organisation themenrelevanter Schulungen zu seinen Aufgaben.

EME-Standard umgesetzt

Nur wenn die gesamte Anlage unter dem Leitgedanken der Energie- und Ressourceneffizienz entwickelt und hergestellt wird, kann sie auch effizient und umweltschonend betrieben werden. Ein Beispiel hierfür bietet Krones, ein Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Getränkeindustrie. Dieser hat gemeinsam mit TÜV Süd auf Basis der EME-Kriterien den branchenspezifischen Standard Enviro entwickelt und im Unternehmen etabliert. TÜV Süd hat die Produktions- und Herstellungsprozesse des Enviro-Programms bei Krones nach dem EME-Standard zertifiziert.

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