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Mittelstand in digitaler Transformation

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Fertigungsindustrie erkennt Notwendigkeit von Industrie 4.0

Text: Horst Reichardt, Freudenberg IT
Heutzutage stellt längst niemand mehr die volkswirtschaftliche Bedeutung von Industrie 4.0 in Frage. An der Umsetzung der neuen Möglichkeiten in einer smarten Fabrik hapert es aber noch. Scheu vor hohen Investitionskosten und zu viel Theoretisierung bremsen die Entwicklung.

Durch die zunehmende Digitalisierung der Fertigungsprozesse wird die produzierende Industrie über kurz oder lang zur Hightech-Branche. Dadurch entstehen sowohl Kostensenkungs- als auch Wachstumspotenziale – eine Grundvoraussetzung dafür, dass das produzierende Gewerbe in Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleibt. Inwiefern der fertigende Mittelstand tatsächlich bereit für die digitale Transformation ist, beleuchtet der IT Innovation Readiness Index, den das Marktforschungsinstitut Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Freudenberg IT jährlich erhebt.

Der IT Innovation Readiness Index fasst den jeweiligen Status quo der Megatrends Industrie 4.0, Mobility, Cloud Computing und Big Data auf einer Skala zwischen 0 und 10 zusammen. Im Jahr 2015 stieg er von 5,4 auf 5,8. Diese positive Tendenz ist vor allem auf das überdurchschnittliche Wachstum der beiden Themenfelder Cloud Computing und Big Data zurückzuführen, während Industrie 4.0 den Gesamtanstieg leicht dämpfte.

Bekanntheitsgrad von Industrie 4.0 gestiegen

Wie die Umfrage zeigt, ist der Bekanntheitsgrad von Industrie 4.0 aber insgesamt gestiegen: Während in den vergangenen Jahren vielen Firmen noch die grundlegende Aufklärung fehlte, so sehen sich mittlerweile die meisten mit dem nötigen Know-how gerüstet – nur 19 Prozent aller Befragten halten diesen Faktor noch für problematisch. Aufgrund der starken Präsenz in den Fachmedien und auf einschlägigen Messen wie der Cebit und der Hannover Messe kann zudem davon ausgegangen werden, dass das Bewusstsein der Zielgruppe für die Möglichkeiten von Industrie 4.0 gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist. Ermutigend ist hier vor allem die positive Tendenz der beiden Industrie-4.0-Treibertechnologien Cloud Computing und Big Data. Dennoch hat sich bislang der Industrie-4.0-Trend nicht signifikant in den Umfrageergebnissen in Form konkreter Projektplanungen niedergeschlagen.

Unterschiedliche Sichtweisen

Auch den fertigenden Mittelstand hat Industrie 4.0 in Deutschland noch nicht richtig erreicht: So sank der Industrie-4.0-Index der mittelständischen Fertigungsindustrie auf einer Skala zwischen 0 und 10 von 6,6 im Jahr 2014 auf 6,5 im letzten Jahr. Ursachen sind vor allem die allgemein immer noch vorherrschenden begrifflichen Unsicherheiten und unterschiedlichen Sichtweisen von Management, IT und Produktion, deren Umfrageergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen. Während die Bedeutung Industrie-4.0-naher Technologien vor allem von Produktionsleitern erkannt wird, nähert sich das Management dieser Herausforderung noch zurückhaltend.

Dies ist längst nicht ausreichend, denn bei Industrie 4.0 geht es nicht nur um die Digitalisierung der Produktionstechnik, sondern um eine grundlegende Transformation der industriellen Wertschöpfung. Daher sind dringend neue Managementansätze, Geschäftsmodelle und Regeln für ein verändertes Zusammenspiel zwischen Herstellern, Zulieferern und Kunden notwendig. Voraussetzung hierfür ist die Integration aller Produktionssysteme im Shop Floor mit den Geschäftsprozessen im Top Floor. Es planen und bereiten diesen essenziellen Schritt auch immer mehr Fertigungsunternehmen vor.

Integrationslösungen in Planung

Ein probates Mittel zur Lösung der Integrationsherausforderung ist ein Manufacturing Execution System (MES) – als Kern der intelligenten Fabrik. Hierbei zeigt die Studie bei der Kopplung zwischen MES und bestehenden kaufmännischen Anwendungen ein uneinheitliches Bild: Denn der Anteil der bereits eingesetzten Lösungen ging zwar von 67 auf 58 Prozent zurück, doch wurde dieser Trend von einem signifikanten Anstieg um 12 Punkte auf 18 Prozent bei der Planung für solche Integrationslösungen zwischen dem Top und Shop Floor überlagert. Auch in Zukunft müssen daher Vorbehalte bei den mittelständischen Fertigungsunternehmen aufgebrochen und gleichzeitig Überzeugungsarbeit geleistet werden, um mit verstärkter Kraft die vertikale und horizontale Integration von Geschäfts- und Produktionsprozessen voranzutreiben.

IT-Trends als Treiber

Die Zusammenfassung der Studienergebnisse verdeutlicht die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Trends wie Big Data, Cloud Computing sowie Industrie 4.0. So generiert zum Beispiel der MES-Einsatz zur Maschinen- und Betriebsdatenerfassung erst dann einen signifikanten Mehrwert, wenn die wachsenden Datenmengen aus der Produktion auch zeitnah analysiert werden können. Folglich sollten auch Big-Data-Lösungen für die Fertigungsindustrie im Shop Floor eingesetzt werden, weil sie ein dort vorhandenes MES massiv aufwerten. Darüber hinaus eignet sich als Plattform für Big-Data- und In-Memory-Lösungen etwa eine sichere und flexible Cloud. Die für Industrie 4.0 essentiellen IT-Trends müssen also für den fertigenden Mittelstand anschlussfähig gemacht werden, sodass die Lösungen auf individuelle Anforderungen zugeschnitten werden und einfach zu bedienen sind. Damit wird auch gleichzeitig der meistgenannte Vorbehalt gegen Industrie 4.0 – nämlich zu hohe Investitionskosten – entkräftet.

Industrie 4.0 bislang mehr Theorie als Praxis

Insgesamt belegt der kontinuierlich steigende Innovation Readiness Index, dass die mittelständische Fertigungsindustrie in Deutschland sehr gut für die bevorstehende Industrie-4.0-Epoche aufgestellt ist. Die Zielgruppe hat mittlerweile ein deutlich gesteigertes Bewusstsein für die Notwendigkeit der digitalen Transformation und die daraus resultierenden Möglichkeiten hinsichtlich höherer Effizienz und Flexibilität. Dennoch ist Industrie 4.0 im produzierenden Gewerbe bislang mehr Theorie als Praxis. Umso stärker aber die digitale Durchdringung der Fertigungsindustrie voranschreitet, desto einfacher können Unternehmen sich an die unterschiedlichen Anforderungen und Gegebenheiten am Markt anpassen.

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