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Hat einfach nur Spaß am Basteln mit Elektronik: Der 14-jährige Schüler aus Irving (Texas). Bild: Familie Mohamed
Vom Knast ins Weiße Haus

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Terrorverdächtiger mit Vorbildfunktion

Text: Harry Jacob, A&D
Erst wurde der 14-jährige Elektronikbastler in Handschellen aus der Schule geführt – jetzt reißt sich die Wirtschafts- und Politprominenz um ihn.

Mitten im Englisch-Unterricht fängt der Koffer eines Jungen an zu Piepen. Als die Lehrerin wissen will, was die Störung verursacht, zeigt ihr der Besitzer den Koffer mit Platinen, Kabeln und einem Display. Das sei eine Uhr, behauptet der Neuntklässler, die habe er selbst gebaut. Die Lehrerin bleibt misstrauisch und informiert den Leiter der MacArthur High School im texanischen Irving. Dieser schaltet die Polizei ein, und in der sechsten Unterrichtsstunde holt sie den Schüler aus dem Unterricht – Terrorismusverdacht! Es könne sich schließlich um eine Bombe handeln.

In Handschellen wird der 14-jährige Bastler aus dem Gebäude geführt. Er ist farbig, er ist Moslem und er trägt den Namen des Propheten. Seine Eltern sind aus dem Sudan in die USA eingewandert. Im Nominierungswahlkampf der Präsidentschaftskandidaten sind diskriminierende Äußerungen gegenüber Immigranten und Moslems an der Tagesordnung, die Stimmung im Land ist aufgeheizt.

Der Schüler ist aber auch ein Maker, der es liebt, mit Elektronik zu basteln. In der Middle School war er Mitglied im Roboterclub, an der High School wollte er seine Lehrer mit der selbstentwickelten Uhr beeindrucken. Das ging leider völlig daneben.

Aber nicht nur das. Die Polizei stellte bald fest, dass es keine Bombe war. Doch es wurde weiter ermittelt: Mehrere Lehrer unterstellten ihm, er habe mit einer Bombenattrappe einen Alarm auslösen wollen, was ebenfalls eine Straftat wäre. Der Kontakt zu seinen Eltern wurde ihm bis zu seiner Entlassung aus dem Polizeigewahrsam verweigert. Die Schule belegte ihn mit einer dreitägigen Suspendierung, Schulleiter Daniel Cummings schrieb den Eltern einen Brief, in dem er den hohen Wert der Sicherheit für die Schüler seiner High School betonte und ein Gespräch mit dem Schüler über dessen Verhalten ankündigte. Eine Entschuldigung wegen der falschen Verdächtigung gab es weder von ihm noch von der Polizei.

Sympathiewelle im Web

Familie und Freunde machten die Geschichte bekannt, und die Medien berichteten von dem Elektronik-Wunderkind. Daraufhin bekam der 14-jährige viel Zuspruch in den Sozialen Medien. Und auch große Konzerne meldeten sich bei ihm. Google lud ihn ein, an der Maker Faire in dieser Woche in New York teilzunehmen und zum Mittagessen in die dortige Niederlassung zu kommen. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg will den Jungen treffen. Weitere Einladungen kamen vom Energie-Riesen General Electric, der Universität von Texas, der Elite-Uni Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Für die amerikanische Wirtschaft ist es nie zu früh, sich um potenzielle Talente zu kümmern.

Doch auch die Politik reißt sich um den jungen Maker. Höchste Ehre wurde ihm aus dem Weißen Haus zuteil: Präsident Barack Obama lud ihn per Twitter zur Astronomienacht ein. Dort verbringen Astronauten und Wissenschaftler Zeit mit jungen Leuten. Der Präsident nutzte den Tweet zugleich für ein politisches Statement: „Wir sollten mehr Kinder wie Dich dazu bringen, die Technik zu lieben. Das ist es, was Amerika groß gemacht hat.“ So darf sich der Junge, der eben noch als Terrorist verdächtigt wurde, nun als Vorbild eines ganzen Landes fühlen.

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