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Wechselkurs-Monopoly

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Renminbi: Manipulation oder Anpassung?

Text: Harry Jacob, A&D

Einen Rekordumsatz melden die 30 Dax-Unternehmen im vergangenen Vierteljahr: 335 Milliarden Euro, elf Prozent mehr als im ersten Quartal 2015 haben sie umgesetzt – so viel wie noch nie in einem zweiten Quartal. Einer der wichtigsten Einflussfaktoren: der schwache Euro. Die Staatsschuldenkrise der europäischen Union hat die Binnenwährung gegenüber Dollar und anderen Währungen geschwächt – und damit die Exporte beflügelt, auch die Richtung China. Das Beratungsunternehmen EY errechnete daraus einen Umsatzeffekt von mindestens 20 Milliarden Euro. Der chinesische Renminbi dagegen hatte in den vergangenen 10 Jahren gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen um 50 Prozent aufgewertet. Die jüngsten Abwertungen machten beispielsweise gegenüber dem US-Dollar nur die Hälfte dessen aus, was die chinesische Währung in den vergangenen fünf Jahren hinzugewonnen hatte.

Nachdem an den ersten beiden Tagen der Abwertung helle Panik an den Finanzplätzen herrschte und die Kursveränderungen als deutliches Zeichen des Abschwungs der chinesischen Wirtschaft verstanden wurde, hat sich die Lage inzwischen beruhigt. Offenbar wird die Aussage der Regierung in Peking von den Märkten als glaubwürdig eingestuft, dass sie die bislang strenge Bindung an den Dollar auflösen und zu einem – in gewissen Grenzen – freien Wechselkurssystem kommen will. Auch wurde das neue Wechselkursverhältnis inzwischen als marktgerecht eingestuft.

Natürlich hat dieser Schritt für die deutsche Industrie Konsequenzen. Insbesondere Automobil- und Maschinenbau sind davon betroffen, denn sie haben besonders hohe Exportquoten in Richtung China. Dort werden deutsche Waren nun teurer, die Exporte ins Reich der Mitte dürfte das ein Stück weit bremsen. Doch was uns als Exportweltmeister recht ist, ist dem Vizeweltmeister China nur billig. Zumindest gegenüber Deutschland stellt die jüngste Wechselkursanpassung im Prinzip wieder Waffengleichheit her. Der schwache Euro ist für die Industrie hierzulande ein ungerechtfertigter Wettbewerbsvorteil, der viel Geld in Kassen gespült hat. Der fällt nun weg, und darauf müssen sich die Unternehmen einstellen.

Bei Lichte betrachtet müssen sie aber auch zugeben:. Jetzt stehen die Währungen wieder in einem fairen Verhältnis zueinander – immer bezogen auf die Sicht der starken deutschen Wirtschaft. Dass die Gemeinschaftswährung keine Anpassung der schwächeren Volkswirtschaften wie Spanien, Italien und Griechenland ermöglicht und diese nun einen noch stärkeren Nachteil haben als bisher, das steht auf einem anderen Blatt.

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