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„Maschinenbauer sollen keine Standardfunktionen entwickeln müssen, sondern sich gezielt auf ihr Spezialwissen konzentrieren können." Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer von Lenze Automation Bild: Lenze
Interview mit Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer von Lenze Automation

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„Monolithische Anlagen sterben aus“

Text: Christian Vilsbeck, A&D
Moderne Produktionslinien sind vernetzt und über flexible Zellen aufgebaut. Doch was bedeutet das für den Maschinenbauer, der diese Zellen realisiert? Ein modulares Konzept hilft, sich auf die Anforderungen der Industrie 4.0 einzustellen und Mehrwerte zu generieren, wie Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer von Lenze Automation, im Gespräch mit A&D erläutert.
A&D:

Was versteht Lenze unter modularen Anlagen?

Dr. Cord:

Für mich heißt Modularisierung, die Maschine in Funktionseinheiten zu zerlegen, die standardisiert werden können, um so einen hohen Grad von Wiederverwendung zu erreichen. Dadurch lässt sich die Anlage auch schnell umkonfigurieren. Maschinenbauer stehen vor neuen Herausforderungen, sie müssen Ihre Anlagen flexibler gestalten. Das Mittel der Wahl ist die Modularisierung, denn so lassen sich Maschinen einfach an spezielle Kundenbedürfnisse anpassen und flexibel für die Produktion kleiner Losgrößen umrüsten. Die Funktionseinheiten eines modularen Maschinenkonzepts bestehen aus Mechanik, Elektrotechnik und Software.

Sind die Module einer Produktionsmaschine auch im Betrieb flexibel änderbar?

Ja, die Module der Maschine sind nicht starr miteinander verbunden, sondern lassen sich jederzeit bei Bedarf verändern oder austauschen - je nach zu produzierendem Produkt und Losgröße. Das Ziel von modularen Maschinen muss sein, künftig in Echtzeit den Materialfluss durch Modulanpassungen ändern zu können.

Wieso sehen Sie jetzt die Zeit der Modularisierung im Maschinenbau kommen?

Seit den Jahren der Wirtschaftskrise hat es im Maschinenbau relativ wenig technische Innovationen gegeben. Durch Industrie 4.0 kommt jetzt wieder ein Innovationsschub, das beobachten wir bei vielen unserer Kunden. Während in der Vergangenheit eher eine Optimierung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Maschinenkonzepte erfolgte, finden derzeit durch die Digitalisierung verstärkt ein grundsätzliches Nachdenken und tiefgreifende Innovationen statt.

Lenze ist eigentlich als Antriebshersteller bekannt. Haben Sie sich zum Komplettanbieter für Maschinenbauer gewandelt?

Wir sehen uns als ein Spezialist für die Automatisierung von Produktionsmaschinen und fokussieren uns insbesondere auf die Branchen Automotive, Intralogistik, Papier, Textil, Druck und die Produktion von Konsumgütern. Durch unsere 70 Jahre Erfahrung im Maschinenbau unterstützen wir Kunden nicht nur als ein Produktlieferant, sondern schon bei der Konzeption einer Maschine entlang aller Phasen eines Entwicklungsprozesses. Natürlich bedingt das ein relativ breites Portfolio und das ist auch die Stärke von Lenze, ein voll integriertes System in Verbindung mit branchenspezifischem Anwendungs-Know-how liefern zu können.

Produktionsmaschinen sind sehr komplex und benötigen unzählige Komponenten. Kann Lenze alles aus einer Hand liefern?

Natürlich ist die Komplexität groß und wir arbeiten deshalb auch ganz gezielt mit Partnern zusammen, beispielsweise im Bereich HMI oder bei speziellen Motoren. Wir liefern den Kern von Produktionsmaschinen, die Steuerungs- und die Antriebstechnik sowie die notwendige Software. Diese Bereiche sind in den vergangenen Jahren immer mehr zusammen gewachsen und hier liegt unsere Stärke. Das Gesamtsystem konzipieren wir mit dem Kunden zusammen, das ist der entscheidende Punkt.

Lassen sich komplexe Produktionsmaschinen mit Standardmodulen aus dem Baukasten überhaupt realisieren?

Die Erfahrung zeigt, dass sich immer wiederkehrende Funktionseinheiten sehr gut standardisieren lassen - auch über die Grenzen von Marksegmenten hinweg. Ein Beispiel ist das Abwickeln von Material, das können Textilien, Folien, Papier oder Draht sein. Der Vorgang funktioniert immer gleich. Hierfür bieten wir eben ausgefeilte, aber standardisierte Lösungen an. Unser Anspruch ist, dass wir 80 Prozent der Funktionalitäten einer Maschine mit unseren Standardmodulen abdecken. Bei den verbleibenden 20 Prozent wird es immer individuelle Funktionen geben, mit denen sich der Kunde ganz gezielt vom Standard abheben soll. Lenze schafft durch seine Module dem Kunden den Freiraum, sich nicht um Standardfunktionen kümmern zu müssen, sondern Zeit für die Individualisierung seiner Maschine zu haben.

Heißt das, der entscheidende Nutzen des Modulkonzepts von Lenze ist eine schnellere Marktreife?

Absolut! Die standardisierten Funktionseinheiten sind alle getestet und aufeinander abgestimmt. Maschinenbauer wissen, wie die einzelnen Module interagieren. Konzepte sind einfacher und schneller realisierbar, Fehler oder Probleme lassen sich beim Engineering besser eingrenzen. Eine Reduzierung der Engineeringzeiten und –kosten hat die höchste Priorität für die meisten Maschinenbauer.

Gilt das auch für die Inbetriebnahme einer Produktionsanlage?

Natürlich. Durch standardisierte und in vielen Anwendungen erprobte Funktionseinheiten lassen sich die Zeiten für den Test und die Abnahme von Maschinen drastisch reduzieren. Das ist ein einfach realisierbarer Vorteil. Ein Kunde aus dem Verpackungsmaschinenbau konnte so beispielsweise die Inbetriebnahme von mehreren Wochen auf wenige Tage reduzieren.

Software-Bausteine sind ein zentraler Bestandteil in Lenzes Modulkonzept. Adressieren Sie hier das Kernproblem vieler Maschinenbauer, die keine Software-Experten sind?

Ja, denn die Komplexität der Software im Maschinenbau nimmt zu. Allerdings müssen Maschinenbauer das Rad meistens nicht neu erfinden, sondern können auf fertige Software-Module unserer Application Library FAST zurückgreifen. Wie bereits erwähnt, bilden wir auch in der Software 80 Prozent aller Funktionalitäten in den adressierten Marktsegmenten ab.

Wie anpassbar sind die FAST-Module?

Unsere FAST-Software ist offen und flexibel. Kunden können ganz selbständig spezielle Funktionseinheiten integrieren. Das ist entscheidend für ihre Innovation. Wir setzen deshalb in unseren Systemen ganz konsequent Standards wie PLCopen, IEC 61131 oder auch PackML der OMAC um.

Bieten die FAST-Module auch Schnittstellen in die Cloud an?

Ja, das ist ein wesentlicher Punkt, denn in der Maschine werden viele Daten generiert. Über das sogenannte Application Template von FAST lassen sich Informationen über Betriebszustände, Fehlermeldungen und Zustandsdaten über die Produktion aggregieren und über Schnittstellen in die Cloud transferieren. Die Daten dienen dann beispielsweise für Predictive Maintenance oder Überwachung der Maschinenproduktivität. Die Stärke von Lenze ist auch hier eine Offenheit für die Anbindung an unterschiedliche Analysetools.

Welche Maschinenbauer adressieren Sie primär mit dem modularen Konzept?

Als Technologiepartner unserer Kunden sehen wir es als unsere Aufgabe, die vor dem Hintergrund von Industrie 4.0 zunehmende Komplexität beherrschbar zu machen. Von den Vorteilen profitieren kleine und mittelständische Unternehmen im Maschinenbau sicher am meisten.

Wie differenziert sich Lenze vom Wettbewerb?

Wir sind weder ein reiner Komponentenanbieter, noch eine Software-Company. Lenze ist ein Lösungsanbieter im Maschinenbau mit langjähriger Applikationserfahrung und Know-how im Zusammenspiel von Antrieben, Getrieben, Steuerungen und Software. Das sehen wir als klaren Vorteil gegenüber dem Wettbewerb. Und natürlich unterstützen wir unsere Kunden über die komplette Wertschöpfungskette von der Konzeption bis hin zur Inbetriebnahme von Maschinen.

Welche nächsten Schritte plant Lenze bei seinem modularen Konzept?

Die Kosten, Zeiten und Ressourcen im Engineering sind für unsere Kunden die größte Herausforderung. Insbesondere mit FAST sorgen wir hier für eine massive Entlastung. Wir werden FAST konsequent weiter entwickeln und den Baukasten kontinuierlich erweitern. Viele Ressourcen stecken wir aktuell auch in die Vereinfachung der Engineering Tools. Usability steht also im Fokus bei Lenze.

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