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Währungspolitik

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Kein Grund zum Übermut

Text: Harry Jacob, A&D
Das Jahr hat für die deutsche und europäische Wirtschaft unerwartet turbulent begonnen. Die Wechselkursverschiebungen zwischen Euro, Rubel, Dollar und Franken verändern die Rahmenbedingungen für Im- und Exporte zum Teil drastisch.

Die seit Monaten anhaltenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland und der gleichzeitige Ölpreisverfall haben den Kurs des Rubels zu einem Absturz gegenüber dem Euro innerhalb von drei Monaten um mehr als 30 Prozent geführt. Und das trotz massiver Stützungskäufe der russischen Notenbank. Aber auch der Euro hat gegenüber dem Dollar Federn lassen müssen. Rund zehn Prozent ist der nun weniger Wert als noch Anfang Dezember. Die US-Wirtschaft erweist sich in der augenblicklichen Situation wieder einmal als die Lokomotive der Weltwirtschaft, mit Wachstumszahlen deutlich über denen von Deutschland.

Hierzulande liegt der Anstieg der Börsenkurse deutlich über dem der Realwirtschaft – das ist der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) geschuldet. Sie kauft massiv Staatsanleihen auf. Auf gut Deutsch: Sie hat schlicht die Notenpresse angeworfen und flutet die Märkte mit Euros. Das hat die Währung gegenüber dem Dollar und anderen geschwächt. Auf der Strecke geblieben sind dabei die Schweizer Nachbarn. Die konnten die Bindung des Franken an den Euro nicht länger aufrechterhalten, was nun zu einer Abwertung von rund 16 Prozent führte.

Das große Roulette, das Politik und Notenbanken spielen, hat aber auch massive Auswirkungen auf die Realwirtschaft, insbesondere im Bereich der Exporte und Importe über Währungsgrenzen hinweg. Allen voran sind natürlich Exporte nach Russland betroffen. Wer nicht direkt durch Sanktionen gestoppt wird, der muss mit Auftragsstornierungen kämpfen, da die Preise nach den derzeitigen Wechselkursen für etliche Abnehmer schlicht nicht mehr zu stemmen sind. Aber auch Kooperationen und Produktionsstandorte von westlichen Unternehmen in Russland, die mit Vorprodukten aus dem Euroraum beliefert werden, leiden unter den Preissprüngen.

Licht und Schatten

Auf der anderen Seite profitieren die deutschen Maschinenbauer vom schwächelnden Euro gegenüber dem Dollar und dem Franken. Die Schweizer Konkurrenz muss bei Exporten in den Euroraum entweder die Preise erhöhen oder auf Gewinn verzichten, um Wettbewerbsfähig zu bleiben. Und in den USA können deutsche und europäische Maschinen- und Anlagenbauer dank der aktuellen Währungsturbulenzen günstiger anbieten.

Der Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Dr. Ralph Wiechers, warnte allerdings im Interview mit dem Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) davor, sich auf diesen Effekt allein zu verlassen. Für Übermut gebe es keinen Grund. Die Phase des niedrigen Euros sollten die Unternehmen vielmehr für Innovationen nutzen, denn die technologische Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche sei es, was Wachstum schaffe, mahnte der VDMA-Repräsentant.

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