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Ullrich Küchenmeister, Geschäftsführender Gesellschafter Getriebebau Nord Bild: Getriebebau Nord
Interview mit Ullrich Küchenmeister

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„Durch Industrie 4.0 steigt der Bedarf an Antriebstechnik“

Text: Harry Jacob, A&D
Vor 50 Jahren wurde Getriebebau Nord gegründet, Ende der 70er-Jahre begann die Internationalisierung. Wie der Konzern heute expandiert, und warum er unter vielen Namen operiert, erläutert Ullrich Küchenmeister, seit 25 Jahren geschäftsführender Gesellschafter.
A&D:

Was war zur Unternehmensgründung 1965 das Alleinstellungsmerkmal?

Ullrich Küchenmeister:

Mein Vater Gustav Adolf Küchenmeister und Mitbegründer Günter Schlicht sahen die Chance, sich erfolgreich in diesem wachsenden Markt als Qualitätsanbieter zu etablieren. In dieser Zeit hatten die Kunden immer wieder Anforderungen, die der Markt nicht erfüllen konnte. Daher der Entschluss, selbst in die Getriebefertigung einzusteigen und so alle nachgefragten Konfigurationswünsche zu bedienen, und das mit dem Werbeversprechen Sofort lieferbar! Zunächst war Nord auf Zulieferungen angewiesen, aber schon bald nahm man die Herstellung eigener Komponenten auf, und über die Jahre baute das Unternehmen die Fertigungstiefe stark aus.

Wodurch wurde die Internationalisierung angetrieben?

Nachdem Nord auf dem deutschen Markt eine gewisse Größe erreicht hatte, ergab es sich automatisch, dass wir international tätige Kunden auch im Ausland belieferten. Zunächst war das nur ein Handelsgeschäft. 1979 hatten wir dann eine Schwelle erreicht, die es sinnvoll erscheinen ließ, den Schritt zu eigenen Niederlassungen zu gehen. Für uns war das eine Investition in langfristige Kundenbeziehungen. In den USA, Frankreich und Schweden haben wir unsere ersten drei Auslandstöchter gegründet. Heute ist der Normalfall die eigene Montage vor Ort, um kurzfristig liefern zu können. Die Muttergesellschaft exportiert in diesen Fällen nur die Komponenten, die dann nach Auftragseingang vor Ort zusammengebaut werden.

Nach welchem Konzept haben Sie expandiert?

Ziel ist es, auf allen wichtigen Märkten der Welt präsent zu sein und unsere Kunden vor Ort zu unterstützen. Die Nähe zu unseren Abnehmern ist uns besonders wichtig, dazu gehört zum einen, dass wir schnell liefern und Service leisten können. Zum anderen aber auch, dass wir dieselbe Sprache wie unsere Kunden sprechen – lokale Fachleute sind einfach am besten in der Lage, die Nachfrage auf dem jeweiligen Markt einzuschätzen und den richtigen Ton in der Kundenansprache zu finden.

Warum heißen nicht alle Firmen gleich, und warum gibt es auch hierzulande zwei unterschiedliche Firmenbezeichnungen?

Manches davon war historisch bedingt und teils durch rechtliche Bestimmungen vorgegeben – so musste Getriebebau Nord 1965 auch noch die beiden Gründer im Namen tragen. Im Zuge der Internationalisierung verlegten wir uns von Getriebebau Nord eher auf Namen, die eingängig in der Landessprache sind, beispielsweise Nord Gear in den USA und in Großbritannien. Dies war aber nicht in allen Ländern möglich. So kamen wir zu einem Strauß an Firmennamen, denn wir sind mit eigenen Tochterunternehmen in 36 Ländern präsent. Diese Unternehmen sind global unter der Marke Nord Drive­systems Group zusammengefasst. Auf der anderen Seite ist im deutschen Sprachraum die Marke Getriebebau Nord sehr stark im Bewusstsein der Kunden verankert, so dass wir diese nicht leichtfertig verschwinden lassen wollen.

Wo sehen Sie derzeit die attraktivsten Vertriebsregionen für Ihr Unternehmen, und wo für Ihre Kunden?

Der mit Abstand weltgrößte Markt ist China. Die Projekte, die wir hier realisieren, unterscheiden sich in ihrer Komplexität nicht mehr von denen im Rest der Welt. Ein weiterer Markt, der für unsere Kunden sehr gut läuft, ist Nordamerika. Hier sind die Zeiten der Deinvestition überwunden. Außerdem verzeichnen wir auch in Indien starke Zuwächse. Das Werk in Indien ist ein großes Thema für uns auf der Hannover Messe, da in diesem Jahr Indien ja das Partnerland ist. Auf unserem Stand in Halle 15, H31, zeigen wir, welche Leistungen wir auf dem indischen Markt bieten können.

Sie erwähnten, dass die Fertigungstiefe immer mehr zugenommen hat. Wo stehen Sie da heute?

Nord entwickelt und produziert alle wesentlichen Antriebskomponenten, also Getriebe, Motoren und Antriebselektronik. Dabei werden auch alle darin verbauten Komponenten bei Nord entwickelt und produziert. Für uns eine treibende Entwicklung war zuletzt die Umrichtertechnik und die Elektronik, um die Energieeffizienz der gesamten Anlage zu verbessern. Eine spannende Frage ist, wie sich hier nicht nur bei Neuanlagen, sondern auch bei der Umrüstung von Altanlagen der Markt entwickeln wird. Natürlich arbeiten wir daran, alle kommenden Standards umzusetzen. Unsere Motoren erfüllen alle aktuell weltweit geforderten Effizienzklassen. Zusammen mit den Nord-Frequenzumrichtern gilt das auch für die neuen Systemeffizienzklassen nach EN 50598: IES2. Zum Teil liegen wir sogar weit über den gesetzlichen Anforderungen. Durch Industrie 4.0 wird sicherlich der Bedarf an solchen Produkten weiter steigen.

Welche Anforderungen bestimmen Ihre technische Agenda?

Die Antriebe sollen kleiner, dynamischer, intelligenter und effizienter werden. Ein Beispiel für die Intelligenz ist ein Schneckenförderer, den wir für einen Kunden gebaut haben. Dort kann sich immer wieder einmal etwas verklemmen. Bislang musste die Störung manuell beseitigt werden. Jetzt haben wir mittels einer im Frequenzumrichter integrierten SPS Prozesse integrieren können, die eine solche Störung erkennen und in 80 Prozent der Fälle selbstständig beheben können. Ein weiteres Feld sind Servo-Anwendungen, die wir mit unseren Produkten mit der entsprechenden Software und Antriebselektronik gut abdecken können, so dass nicht mehr zwingend Servomotoren eingesetzt werden müssen.

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