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Panorama

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Ben Hur live erleben

Text: Nicole Wittmann, A&D Foto: New Art Concerts
Große Veranstaltungen beeindrucken meist mit ausgefeilter Technik. Bemerken wird sie der Zuschauer allerdings nur in wenigen Fällen. Sieht er jedoch genau hin, erkennt er mehr und mehr Automatisierungstechnik.

Bis zu zehn Vierer-Pferdegespanne fahren mit 50 Stundenkilometern gleichzeitig durch eine 70 mal 40 Meter große Arena. 100 Tiere, darunter 40 Pferde und zahlreiche freifliegende Vögel, und 400 Darsteller zählt die Inszenierung Ben Hur live, die am 15. September 2009 in London Premiere feierte. Das Bühnenbild prägen Kulissen mit vierstöckigen Gebäuden und großen Galeeren. Die Produktionskosten beliefen sich auf insgesamt 6,5 Millionen Euro. Clemens Clausen, Diplomingenieur für Medientechnologie, erinnert sich immer wieder gern an dieses Projekt. Er hat für das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT an der Entwicklung und Umsetzung eines neuartigen Soundsystems gearbeitet. Für den Zuschauer hört es sich so an, als würden die Geräusche auf der Bühne aus unterschiedlichen Richtungen kommen. Bis dahin hat das Publikum die Stimmen der Darsteller nicht auf der Bühne lokalisieren können, der Ton kam schlichtweg statisch aus den Lautsprechern - unabhängig davon, wo sich der Schauspieler gerade befand.

Trend: räumliches Audio

Räumliches Audio ist einer der Trends in der Medientechnik. Zur Medientechnik gehören Licht-, Ton- und Bühnentechnik ebenso wie Technik in Konferenzräumen, zum Beispiel automatische Rolläden, Lichtsteuerung, Videokonferenzen oder das Hoch- und Runterfahren von Leinwänden. „Ziel ist es, dem Zuschauer den Ton räumlich und dreidimensional zu präsentieren“, sagt Clausen. 3D sei momentan ein angesagtes Thema, das auch die Videotechnik präge. Dementsprechend ändere sich die Technik. Im Vergleich zu mono oder stereo seien mehr Audiokanäle nötig. Das stellt neue Anforderungen an die Signalverteilung und -verarbeitung. „Es geht schlicht um die Frage: Wie bekomme ich die ganzen Audiokanäle von meinem Mischpult hin zu den Lautsprechern“, erklärt der Diplomingenieur. Standards regeln das synchronisierte und priorisierte Streaming von Audio- und Videodaten über Netzwerke, das so genannte Audio Video Bridging.Aber nicht nur moderne Netzwerktechnik spielt bei Veranstaltungen und Inszenierungen eine entscheidende Rolle, auch Steuerungstechnik kommt zum Einsatz, zum Beispiel wenn es darum geht, das Licht zu steuern. Automatisierungstechnik wird aber noch in einem weiteren Bereich eingesetzt, bei denvariable acoustics. „Hierbei wird die Raumakustik durch bewegliche Wandelemente verändert“, erklärt Clausen. Es gibt Säle, in denen die Wände automatisiert bewegt werden. Der Raum wird dadurch akustisch größer oder kleiner. Technisch aufwändig konstruiert ist auch die Seebühne in Bregenz, die alle zwei Jahre neu gebaut wird. Auch hier kommt das Fraunhofer-Soundsystem zum Einsatz. „Die Bühne an sich hat schon bewegliche Elemente“, sagt Clausen, „zusätzlich werden mit sehr viel Aufwand weitere Konstruktionen gebaut.“ In den vergangenen zwei Jahren waren zwei Baukräne in das Bühnenbild integriert, die Teile bewegt haben. Davor gab es massive Stahlkonstruktionen, zum Beispiel zur Fußball-EM 2008 ein großes Auge, das die Zuschauer am Bildschirm ab und an im Hintergrund beobachten konnten. Die Iris des Auges, eine Stahlkonstruktion, ließ sich herunterklappen. Von der Finanz- und Wirtschaftskrise war 2009 auch die Medientechnik betroffen; gerade Firmen-Events haben stark abgenommen. „Große, beeindruckende Firmen- oder Jubiläenfeiern haben in dieser Zeit deutlich weniger häufig stattgefunden“, erinnert sich Clausen. Generell schätzt der Diplomingenieur die Zukunft der Medientechnik positiv ein: „Groß-Events gibt es immer mehr und auch die Leute sind bereit mehr Geld zum Beispiel für aufwändige Festivals oder Konzerte auszugeben.“Offen stünde allein die Frage, inwiefern die einzelnen Gewerke von diesem Trend profieren können. Denn die Technik steckt in einem Dilemma: Ist sie ausgefeilt und gut, bekommt der Zuschauer von ihr meist nichts mit. „Dann allerdings stellt sich die Frage: Wie viel Geld sind Veranstalter und Besucher bereit auszugeben für eine Technik, die versucht möglichst unauffällig zu sein?“, merkt Clausen an.

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