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Bild: Alexsl, iStock
Produzieren in der Schweiz

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Auf der Suche nach dem Rettungsschirm

Text: Simone Käfer, A&D
Was machen Unternehmen, wenn ihr ohnehin schon teures Land noch teurer wird? Schweizer Firmen testen nach der Abkopplung des Frankens vom Euro scheinbar alles – vom Einstellungsstopp über Auslagerung ins Ausland bis hin zu Investitionen.

Notfallpläne hatte das eine oder andere Unternehmen bereits in der Schublade liegen, wirtschaftliche Stolpersteine sind ja nichts Neues. So reagierte der Kabelhersteller Huber+Suhner bereits im Januar dieses Jahres mit einer Lohn-Nullrunde und einem Einstellungsstopp. Auch laufende Projekte wurden auf unnötige Kosten überprüft, Neuentwicklungen nochmals überdacht. Nach dem ersten Schock wurde die Arbeitszeit um drei Stunden pro Woche erhöht, vorerst für zwölf Monate. Das geschah in Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung. Die Managementebene zog mit und verzichtete auf fünf bis zehn Prozent ihres Zielgehaltes. Vorzeitige Pensionierungen und Entlassung von Zeitarbeitern folgten. Kistler hingegen will die Löhne nicht angreifen, seinen Mitarbeitern weder kündigen noch ihre Arbeitszeit verlängern. Kosten wurden dennoch reduziert: „Wir kaufen nun vermehrt im Euro-Raum rein. Dadurch konnten wir unsere Materialkosten senken“, erklärt Rolf Sonderegger, CEO bei Kistler. Die Kunden des Sensorherstellers haben die Franken-Abkopplung also nicht zu spüren bekommen; die Schweizer Zulieferer schon.

Wie lange Kistler noch diesen mitarbeiterfreundlichen Kurs halten kann, bleibt abzuwarten. Geplant haben sie laut Sonderegger jedoch 2016 einen Stellenausbau – ob der allerdings in der Schweiz sein wird, in der Kistler dieses Jahr immerhin zwölf neue Stellen schuf, bleibt fraglich. Denn Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), schreibt im September in seinem Blog: „Es vergeht kaum ein Tag, an dem Firmen nicht einen Stellenabbau melden. Seit Beginn der Aufwertung des Franken hat die Schweizer Industrie bereits mehr als 5 Prozent der Stellen abgebaut.“ Dementsprechend rechnet die SGB auch damit, dass bis Anfang 2016 jeder zehnte Arbeitsplatz in der Schweizer Industrie wegfallen wird.

Gesunkene Auftragseingänge

Um zu retten was zu retten ist, verlagern Schweizer Firmen Teile ihrer Betriebs- und Produktionsprozesse, Logistik und Dienstleistungsfunktionen ins europäische Ausland oder sogar in die USA. In Zahlen ausgedrückt planen 18 Prozent der Betriebe zumindest Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern, meldete SwissMEM im August, falls der Wechselkurs bei 1,05 Franken zu einem Euro verbleibt. Der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall­industrie (SwissMEM) gab auch bekannt, dass die Auftragseingänge im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken wären. Dagegen hält Kistler mit einem Wachstum bis Ende August von 10,7 Prozent – währungsbereinigt nur 3,2 Prozent. Im dreimonatsvergleich sind Auswirkungen des Frankens aber spürbar. „Ohne Maßnahmen wäre unser Umsatz um über 15 Prozent währungsbedingt geschrumpft“, so Sonderegger.

Aber auch antizyklisches Handeln gehört zu den Taktiken der Schweizer: Sie investieren. Über 60 Prozent der von SwissMEM befragten Firmen stecken verstärkt Geld in Entwicklungen. Sowohl Huber + Suhner als auch Kistler wollen ihre Produktion an den heimischen Standorten verbessern. Doch: „Künftig werden wir wohl mehr Investitionen außerhalb der Schweiz tätigen“, kündigt Sonderegger an.

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