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Unternehmenskonzept

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„Wir messen im Bereich 0,01 Prozent“

Text: Simone Käfer, A&D.
Und darauf ist das Startup auch stolz. Seine optischen Sensoren basieren auf einem eigenen Messprinzip, das neue Fähigkeiten mitbringt und Messstörungen ausgleichen will. Vlad Lata, Chief Technology Officer und einer der vier Mitbegründer von Konux erklärt in A&D woher der Erfolg des jungen Unternehmens kommt und wohin sie noch wollen.
A&D:

Woher kam die Idee in einem fast schon überlaufenen Markt wie der Sensorik-Branche ein neues Unternehmen zu gründen?

Vlad Lata:

In der Branche gibt es vier oder fünf etablierte Messprinzipien, die seit Jahren immer wieder verbessert werden. Aber wirklich Neues kam in den letzten zehn Jahren nicht dazu – außer in Nischenmärkten. Unser Messprinzip wurde von unserem Mitgründer Husam Ghanem entwickelt, der seit fast 20 Jahren als Entwicklungsingenieur arbeitet. Damit bringen wir frischen Wind in den Markt und neue Fähigkeiten in Sensoren.

Welche neuen Fähigkeiten sind das denn?

Im Drehmomentbereich erzielen wir eine Genauigkeit von zwei bis 0,01 Prozent. Das können nur wenige High-End-Lösungen. Unser Messprinzip erlaubt uns auch, mit ganz kleinen Änderungen die Genauigkeit zu steuern. Ein großes Problem sind Störungen, die das Ergebnis verfälschen. Bisherige Lösungen kosten viel Geld oder versuchen im Nachhinein die Messschwankungen auszugleichen. Unser Sensor ist so ausgelegt, dass beispielsweise axiale und laterale Vibrationen keinen Einfluss haben. Als dritten Punkt messen unsere Drehmomentsensor vier unterschiedliche Größen in einem Gerät: Drehmoment, -zahl, -winkel und -richtung. Diese Kombination wird zum Beispiel bei der Schraubautomation wichtig, bei der man nicht nur das Drehmoment misst, sondern auch die Schraubtiefe bestimmt werden muss. Und schließlich arbeiten unsere Sensoren intelligent. Das bedeutet, dass sie beispielsweise in der Lage sind sich während des laufenden Betriebs selbst zu kalibrieren.

Man hätte die Technik auch verkaufen können.

Hätte man; aber was uns zusammengebracht hat, war der Wunsch etwas Eigenes aufzubauen. Und wir wollten unbedingt ein Produkt entwickeln, das wir in der Hand halten und dessen Potenzial wir komplett ausschöpfen können.

Wie finanzieren Sie sich?

Die ersten Förderungen haben wir durch Wettbewerbe bei der Europäischen Union und von Founder.org bekommen. Dadurch waren wir auch öfter in den USA und haben mit dortigen Investoren gesprochen.

Warum haben Sie in den USA gesucht?

Dort sind die Finanzierungsverfahren viel einfacher als in Deutschland und die Beratung ist besser. Dazu kam, dass wir in den USA eine wesentlich bessere Bewertung bekommen hatten als in Deutschland, wodurch wir einen größeren Employee Option Pool bekamen, also die Menge an Firmenanteilen, die den Mitarbeitern gehören.

Unter anderem wurde Konux 2014 als eines der zehn weltweit erfolgversprechendsten Startups ausgezeichnet. Sowohl die Gründer als auch die Mitarbeiter stammen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Zählen Sie Interdisziplinarität zu Ihren Erfolgsfaktoren?

Ja, definitiv. Denn so fließen unterschiedliche Ansätze und neue Ideen in die Entwicklung ein. Auch, dass wir aus verschiedenen Kulturkreisen kommen, befruchtet unsere Arbeit ungemein.

Das ist auch im Marketing und Vertriebsbereich von Vorteil. Vor allem, da Sie die Sensoren auch auf dem internationalen Markt anbieten.

Ja, ist es. Da das Patent inzwischen international gedeckt ist, sind wir auch im Ausland vertreten. Zum Beispiel haben wir vor kurzem ein Büro in den USA eröffnet.

Sehen Sie dort einen Markt für Optosensorik?

Potenzial ist definitiv da. Ob der Markt allerdings größer oder kleiner als in Deutschland ist, dass müssen wir noch herausfinden. Bei Schraubautomaten beispielsweise haben sowohl die deutschen als auch die US-amerikanischen Firmen dasselbe Problem: Bisherige waren die Lösungen sehr teuer, empfindlich gegenüber Störungen und häufig in ihrer Funktionalität eingeschränkt; was einen großen Integrationsaufwand für den Maschinenhersteller bedeutet. Der einzige Unterschied zwischen den Märkten besteht in den Richtlinien. Als deutsches Unternehmen haben wir in dem Punkt allerdings einen Vorteil, denn deutsche Prüfgutachten haben einen hohen Stellenwert und werden auch in den USA anerkannt. Hier und da müssen wir zwar noch Kleinigkeiten für die US-Normen ändern, aber wir müssen nicht mehr von vorne anfangen.

Welche Branchen bedienen Sie außer der Schraubautomation zurzeit noch?

Wir gehen gerade die Robotik an, dort speziell die kollaborativen. Außerdem sind wir in Landmaschinen vertreten, genauer gesagt in Anhängern; zum Beispiel die Dosiervorrichtungen bei Düngemaschinen. Ein wichtiger Markt für uns sind Prüfstände. Denn wir können sehr genau messen, im Bereich von 0,01 Prozent – darauf sind wir auch stolz. Gleichzeitig sind unsere Sensoren aber auch sehr robust.

Ihren Kunden versprechen Sie maßgeschneiderte Sensoren. Was heißt das genau?

Wir bauen einen variantenreichen Baukasten auf, mit dem wir einen Sensor schnell auf kundenspezifische Anforderungen anpassen können. Das bedeutet, dass es einen Grundaufbau gibt; beim Drehmomentsensor wären das zum Beispiel Welle oder Flansch. Die werden zwar auf den Messbereich eingerichtet, bleiben aber ansonsten immer gleich. Individuell angepasst werden die Anschlüsse, elektrisch und mechanisch. Für den Drehmomentsensor haben wir sechs der gängigsten mechanische Anschlussvarianten, bei den elektrischen Anschlüssen bieten wir alle Feldbus- und Ethernetverbindungen an. Auch den Grad an Genauigkeit können sich Anwender aussuchen.

Was sind die kommenden Entwicklungen bei Konux?

Als nächstes werden wir das Thema Software angehen. Zuerst wollen wir uns der Sensorfusion annehmen; sie dient dazu, mehrere Sensoren in einem zu vereinen und dadurch bessere Signale zu erzeugen und die Stati des Sensors zu ermitteln. Danach widmen wir uns dem Beschreiben und Analysieren von Maschinen und Anlagen durch Sensordaten. Wir versuchen die kompletten Sensordaten von der Maschine zu sammeln, damit Anwender mehr Informationen über deren Zustand erhalten und ihre Performance steigern können. Im zweiten Schritt rüsten wir unsere Produkte mit Vibrations- und Temperatursensoren für Echtzeitanwendungen aus, um der Instandhaltung eine bessere Basis zu bieten. Ein Mitarbeiter beschäftigt sich nur damit, Ansätze aus der Nachrichtentechnik echtzeitfähig zu machen. Dann werden wir ab nächstem Jahr auch einen Online-Shop anbieten, in dem wir unsere Sensoren mit einem Konfigurator vertreiben. So können Kunden den konfigurierten Sensor direkt bestellen. Das ist definitiv wichtig.

Was genau bauen Sie selbst, was wird angeliefert?

Wir entwickeln komplett selbst, aber lassen die mechanischen und elektrischen Bauteile von deutschen Firmen fertigen. Das Montieren der Teile liegt dann wieder bei uns. Ab Ende des Jahres werden wir unseren Converter selbst produzieren. Unter anderem, da er die Grundlage unserer Produkte ist und wir ihn weiter verbessern wollen. Der Plan ist, dass wir in fünf Jahren eine eigene Fertigung haben.

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