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Von wegen blind!

Text: Regina Levenshtein, A&D
Obwohl Fledermäuse in fast allen Teilen der Welt heimisch sind, haftet ihnen bis heute etwas Mysteriöses an. Zumindest das Geheimnis um ihre Sinneswahrnehmung ist gelüftet und macht den Hoffnungsschimmer für blinde Menschen hörbar.

Ein Baum klingt anders als eine Mauer, und der Klang leckerer Früchte zum Abendessen ist wiederum mit nichts zu verwechseln. Das wissen Fledermäuse, die trotz ihrer unterentwickelten Augen zielsicher ihren Weg durch die Nacht finden. Eine Nacht, die klickt, fiept, hallt und vibriert, je nach Beschaffenheit und Entfernung von Hindernissen oder Beute. Durch ihre angeborene Fähigkeit zur Echo-Lokalisierung nehmen die fliegenden Säugetiere ihre Umgebung als Geräuschkulisse wahr: Jeder Umriss und jede Oberfläche reflektiert die Töne anders. Welchen evolutionären Vorteil diese Methode hat, spiegelt die Verbreitung der Fledermäuse wieder: Bis auf die kältesten Regionen sind Fledermäuse fast überall anzutreffen; alleine in Deutschland leben 23 verschiedene Arten. Ob Insektenjäger oder friedliche Früchtenascher, sie alle greifen auf ihre außergewöhnliche Sinneswahrnehmung zurück, um an ihre bevorzugte Nahrung zu kommen.

Der blind geborene Inder Pranav Lal macht es den Flatterern gleich: Nach einigen Tagen Übung erkennt er mittlerweile Körperhaltungen am Klang und kann das Aussehen von Menschen erlauschen; auch das Orientieren in fremden Umgebungen stellt für ihn kein Problem mehr dar. Möglich macht es die vom niederländischen Wissenschaftler Peter Meijer entwickelte Hörbrille The vOICE, die mithilfe einer Mini-Kamera visuelle Eindrücke auf einen Laptop überspielt, der diese analysiert und in hörbare Signale umwandelt. Je nach Struktur des Objekts variiert die Tonhöhe, während die Helligkeit die Lautstärke des in die Kopfhörer ausgespielten Klangs beeinflusst. Das Gehirn wiederum konstruiert aus diesen Reizen Objekte und Landschaften. Klanglandschaften im wahrsten Sinne des Wortes.

Mit Headset und Laptop bewaffnet, kann Pranav Lal nun selbst auf die Jagd gehen - nach neuen Eindrücken im Freien, aber auch in Museen und Ausstellungen. Der Inder geht noch einen Schritt weiter, indem er eigene gehörte Bilder als Schnappschüsse festhält, um sie mit anderen zu teilen. Fledermäuse sehen davon ab; es würde sie zu sehr von der Nahrungssuche abhalten.

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